CHI ::: SAILING LOG
„After You“ ist gesunken und wird ein schönes Riff werden. So habe ich beim letzten Mal geschrieben. Aber das ist schon wieder überholt. Inzwischen wurde das versunkene Boot geborgen. Mark, der hier ein ehemaliges Shrimpboot besitzt und es gerade zu einem schwimmenden Restaurant umbauen will, hat die Kraft seiner großen ehemaligen Netzwinde genutzt und das versunkene Boot in seichtes Gewässer gezogen. Dort wurde dann in tagelanger Arbeit die stark beschädigte Bordwand mit unter Wasser aushärtendem Epoxi laminiert bis das Boot wieder dicht war. Bis es soweit war, war eine Menge an nicht ungefährlicher Arbeit erforderlich. Das Wrack befand sich in 50 Metern Tiefe. Dort hat man eine Nullzeit beim Tauchen von vielleicht 4 Minuten. Und nur 4 Minuten zum Arbeiten Zeit haben, ist so gut wie nichts. Das reicht vielleicht gerade mal um 2 Schwimmleinen zu befestigen, dann muss man schon wieder auftauchen. 2 Tage hat es gedauert bis das Wrack lokalisiert war. Die Strömung und ein leicht schräg abfallender harter Sandgrund brachten das Wrack an einen völlig anderen Ort. Genau entgegengesetzt zu den an der Wasseroberfläche herrschenden Bedingungen. Beim ersten Tauchgang dann auf einmal im Funk die Meldung dass dringend weitere Tauchflaschen benötigt werden. Mark muss unter Wasser dekomprimieren. Das bedeutet er muss so lange einige Meter unter Wasser bleiben, bis sich der in seinem Blut entstandene Stickstoff wieder verflüchtigt hat. Und unter Wasser braucht man eben Luft. Und sein Tauchcomputer zeigt ihm an dass er 6 Stunden im Wasser bleiben muss. Eine Deko-Kammer gibt es nur in Panama City und für den Hubschrauber ist es bereits zu spät für einen Transport. Er kann um diese Zeit hier nicht mehr landen. Eine Ärztin fährt zur Unglücksstelle und mit ihrer Hilfe klärt sich dann alles auf. Mark hat keinerlei der üblichen Symptome und er sagt dass er nicht länger als 1 Minute ganz unten war. Der Fehler war einzig dass er den Tauchcomputer eines anderen genommen hat, der kurz davor auf 40 Meter Tiefe war und der Computer konnte natürlich nicht wissen dass er jetzt von einem anderen Taucher benutzt wird.
Auf alle Fälle noch mal gut gegangen. Das Boot soll jetzt weitgehend repariert werden, der Motor überholt, die Elektrik und Elektronik ausgetauscht werden, ja und dann will Mark das Schiff, das ja jetzt ihm gehört, wenn möglich an den ehemaligen Eigentümer zurück verkaufen.
Neulich kam es zu einem fürchterlichen Brand. Wir sitzen in den East Lemons und plötzlich entdecke ich etwa 7 Meilen südlich von uns, am Festland, einen riesigen Feuerschein. Die Kunas brennen oft in der Nacht große Feuer in denen sie die von den Bäumen gefallenen Palmwedel verbrennen. Aber so was riesiges habe ich noch nie gesehen. Nach 2 Stunden ist der Spuk vorbei und am nächsten Morgen läuft das Funkgerät wieder mal heiß. Soledad Miriam, ein Kunadorf mit etwa 800 Einwohnern ist abgebrannt. Die meisten Häuser sind ja nur aus Bambus und Palmwedeln gemacht und wenn staubtrocken, genuegt ein Funke und das ganze brennt wie Zunder. Und viel mehr war es auch nicht. Ein Funke, eine Hütte fängt an zu brennen, wird durch den Wind angefacht, das Feuer wird groesser, die nächste Hütte brennt, eine Gasflasche explodiert, usw…
Insgesamt sind 70 Hütten vernichtet worden, es gab zum Glueck nur 2 Tote und 3 Schwerverletzte.
Von den Seglern wird sofort eine Hilfsaktion gestartet. Mehrere Boote erklären sich bereit in das von Riffen gespickte Inselgebiet einzufahren, das normalerweise wegen seiner Gefährlichkeit gemieden wird. An allen Ankerplätzen wird gesammelt, es fehlt an allem. Angefangen von Trinkbechern, Hängematten, Geschirr, T-Shirts, kurze Hosen, Wasser, Decken, einfach alles was entbehrlich ist wird gegeben. Die Kunas und ihre Familien, die ihre Hütte verloren haben, haben buchstäblich außer ihrem Leben nichts mehr. Am späten Nachmittag sind 3 Boote voll beladen mit hunderten Kilos an brauchbaren Gütern vor dem niedergebrannten Dorf. Sie erzahlen später es war wie eine Schneise die durch das ganze Dorf gelaufen ist. Links und rechts die Glücklichen denen alles geblieben ist und in der Mitte, genau in Windrichtung, die armen Teufel die nichts mehr hatten. Die ganzen Hilfsgüter wurden an die 3 Sailas, das sind die 3 Häuptlinge, übergeben, die sich um die Verteilung kümmern wollten. Wir, die Segler, waren um einen halben Tag schneller als das erste offizielle Regierungsboot.
Posted by chico @ 11:52 AM CST [Link] [2 comments]
Saturday, January 13, 2007
Es ist 03.30 der Wind pfeift durch die Wanten der ankernden Boote. Böen von bis zu 30 Knoten wühlen das Meer auf. Windgeneratoren heulen wie Wölfe, und plötzlich ein knallroter Schein über dem Himmel von San Blas, fast gleichzeitig hallt das Mayday über den Funk
Ein Schiff ist auf eines der unzähligen Riffe gelaufen. Wir haben erst in der Früh davon erfahren, da wir wenn wir vor Anker liegen das Funkgerät in der Nacht immer abgeschaltet haben. Als erstes die Frage wie kann man so blöd sein und in diesen Gewässern in der Nacht segeln. Dafür gibt es 2 mögliche Antworten. Entweder man kennt sich hier so gut aus und weiss wirklich über alle Riffe bestens Bescheid, oder man hat überhaupt keine Ahnung und kommt gerade von Venezuela oder Kolumbien hier an. Ja, klar es gibt noch eine dritte Möglichkeit – man ist ein Vollidiot, aber das passt auch auf Möglichkeit eins oder zwei.
Wie auch immer, noch in der Nacht startet eine Rettungsaktion für den Bruchpiloten. Die ersten Helfer kommen mit den Dingis aber es hat keinen sinn. Er ist mit voller Besegelung bei 25 Knoten wind auf das Riff gedonnert und entsprechend weit liegt er jetzt im Riff drinnen. Mit den brustschwachen 10 und 15 ps Motoren gibt es keine Chance ein so schweres Boot von den Korallen zu ziehen. Im ersten Morgengrauen kommt Mark mit seiner „Melody“ daher gefahren. Er hat ein schweres Stahlschiff mit einem 120ps 6 Zylinder Dieselmotor. Und Mark ist ein echter Marinero. Er fährt schon sein Leben lang zur See und weiss was zu tun ist. Zuerst natürlich entsprechend lange und starke Leinen organisieren. Über Funk wird versucht von allen möglichen Booten mindestens 2,5cm oder dickere Leinen aufzutreiben, die den enormen Zug aufnehmen können. Die Leinen müssen auch möglichst lange sein, denn das Bergeschiff kann nicht bis unmittelbar an das Riff heranfahren, sondern benötigt einen Sicherheitsabstand von mindestens 50 Metern. Und das ist extrem wenig. Bei 25 knoten Wind und entsprechender Welle wird man so schnell auf das Riff gedrückt, dass der kleinste Fehler auch der letzte sein kann. Wenn z.B. eine Leine in den Propeller kommt und sie nicht innerhalb kürzester zeit frei bekommt ist es vorbei. Dann liegen 2 Boote am Riff.
Nach und nach trudeln Leinen, Taucher und Helfer am Unglücksort ein. Gegen 10uhr startet der erste Versuch das aufgelaufene Boot runter zu ziehen. Nach wenigen Minuten gibt es einen Knall und die dicke Leine ist gerissen. Die erste Ernüchterung. Es gibt hier nicht viele grosse Boote die entsprechend starke Rettungsmittel an Bord haben. Den ganzen Tag über wird versucht das inzwischen immer stärker beschädigte Boot von den harten und messerscharfen Korallen zu ziehen. Mit jeder Welle die reinkommt, hebt und senkt sich der Rumpf und schlägt auf den zerstörerischen Untergrund. Gegen Mittag dringt Wasser in das Schiff ein und die Boote werden aufgerufen Handbilgepumpen und Kübel zu bringen. Inzwischen hat auch der Ausbau aller leicht demontierbaren Gegenstände und der persönlichen Habseligkeiten des Eigners – er ist alleine unterwegs - begonnen. Erstens um das Boot leichter zu machen und zweitens falls das Boot sinken sollte um wenigstens so viel wie möglich von den Sachen zu retten.
Wir wollten an diesem Tag ohnehin zu einer Insel in der Nähe segeln und nehmen Reinhard mit. Er hat seine grosse Handbilgepumpe aus seinem Boot ausgebaut und will es mit seinem Dingi zum Unglücksort bringen. Wir nehmen es in Schlepptau und ihn mit an Bord und segeln möglichst nahe an die Unglücksstelle. Dort setzen wir Reinhard aus damit er mit dem Dingi zum Havaristen fahren kann und seine Bilgepumpe ihren Dienst aufnehmen kann. Kaum haben wir unseren Anker in einer Bucht 2 Meilen vom Unglücksort eingefahren, kommt John mit seiner Motoryacht daher. Er hat mit Abstand das stärkste Boot hier in der ganzen Gegend. 2 Achtzylinder Dieselmaschinen mit jeweils 275 ps treiben „Gabrielle“ vorwärts. Er kommt längsseits und will eigentlich seine Chartergäste bei uns loswerden um zu helfen. Die wollen natürlich die Action nicht versäumen. Also bindet er nur sein Beiboot bei uns an. Ich gehe zu ihm an Bord um vor Ort mit den Leinen zu helfen. Mark, der den ganzen Tag mit seinem Boot geholfen hat musste inzwischen aufgeben, da seine Maschine überhitzt hat und den Geist aufgegeben hat. Mit grosser Mühe konnte er vom Riff wegsegeln, so dass wenigstens nicht ein weiteres Boot zu beklagen ist.
Während der Fahrt bereiten wir weitere Leinen vor und John versucht dann sein Boot in eine gute Position zu bringen. Leider sind die zur Verfügung stehenden Leinen keine schwimmfähigen polyleinen, sondern wirklich starke und schwere Leinen die leider auch sehr schnell zu Boden sinken. Dadurch passiert es immer wieder dass sich die Leinen in den Korallen verfangen und man kann dann nicht auf Zug gehen, sonst wären die Leinen binnen Sekunden von den Korallen durchgeschnitten. Hier kommen jetzt die Taucher zum Einsatz. Sie müssen die Leinen immer wieder befreien. Eine heikle Arbeit bei fast 2 Meter welle direkt am Riff. Sie sind ohne Tauchflaschen, nur mit Schnorchel an der Arbeit.
Wir starten einen ersten Versuch der nur kurz dauert, da die beiden Zugleinen ungleich lang sind und wir vom Boot aus nur ein paar Meter die Länge korrigieren können. Also Abbruch und die Leute am Unglücksboot werden über Funk informiert, welche Leine sie um wie viel kürzen müssen um den gewünschten Effekt zu erzielen. Wir versuchen möglichst auf der Stelle zu bleiben, müssen die Leinen immer wieder dicht holen und locker lassen damit sie ja nicht in unseren Propeller kommen. Allmählich beginnt uns die Zeit davon zu laufen. Es wird Abend und bei Dunkelheit ist nicht mal daran zu denken die Arbeit fortzusetzen. Wir setzen zu einem letzten Versuch an. Langsam spannen sich die leinen und als John auf volle power geht kommt der erste Funkspruch vom Havaristen dass es sich ein wenig vorwärts bewegt hat. Mit der nächsten groesseren Welle die in das Riff einläuft kommt es wieder ein kleines Stück vorwärts. Es fehlen aber immer noch 4 Meter. Ohne Hilfe der Wellen schaffen wir es nicht. Ich habe eine Gänsehaut von oben bis unten als ich 3 extra grosse Wellen daherrollen sehe. Wahrscheinlich die letzte Chance. Wenn wir sie jetzt nicht losbekommen dann ist es wohl aus. Die erste Welle donnert auf und unter das Schiff, hebt es an und ein gutes Stück geht es vorwärts. Jetzt die nächste und ein weiteres grosses Stück. Am Funk, der den ganzen Tag mitgelaufen ist, hört man bereits erste Jubelrufe, doch noch sitzt das tonnenschwere Ding fest. Dann die dritte Welle. Und tatsächlich, wir können es bis an die Riffkante bringen. Der Kiel sinkt nach unten und das Boot richtet sich auf. Unbeschreiblicher Jubel bei uns an Bord, am funk und überall. Jetzt heisst es schnell sein. Der Plan ist das beschädigte Boot etwa eine halbe Meile um das Riff zu schleppen und dort auf eine Sandbank zu setzen damit es nicht untergehen kann bis die inzwischen recht zahlreichen Löcher und Risse repariert sind. Dann wird es still. Der Rumpf der Yacht füllt sich extrem schnell mit Wasser. Keiner ist mehr unter Deck zum pumpen. Nur eine Minute nach dem der Rumpf vom Riff gezogen worden ist hören wir im Funk die Anweisung des Kapitäns das Boot zu verlassen und keine 10 Sekunden später ragt nur noch der Mast aus dem Wasser. Jemand sagt im Funk – das boot sinkt. Das Ende von „After You“.
Nach ein paar Schrecksekunden die Frau von Reinhard und die Frau von Guido, gleichzeitig mit der gleichen Frage – weiss jemand ob unsere Männer ok sind, die beide beim pumpen geholfen haben und an Bord des sinkenden Schiffes waren. Noch ist nicht klar ob alle Leute vom schiff ok sind. Einige bange Minuten beginnen. Wir versuchen so schnell als möglich den riesigen Wulst an Leinen ins Boot zu ziehen. Dann kommt Spannung in die Leinen. Die Wassertiefe beträgt hier 30 Meter und das Boot dürfte den Grund erreicht haben. Wir kappen die letzte Leine und in diesem Moment gerät ein Ende in einen unserer Propeller. Sofort Maschinen Stopp und bevor wir noch richtig realisieren können was los ist, ist John bereits mit einem Messer ins Wasser gesprungen um sein Schiff von der tonnenschweren last des gesunkenen Bootes zu befreien. Während dieser Minuten treiben wir maschinenlos zum Riff. Ich rufe eines der einheimischen boote mit einem starken Außenborder heran um uns vom Riff weg zu ziehen. Schnell wird ein starkes Seil befestigt doch John gibt Anweisung nicht zu ziehen. Er möchte zuerst den Wulst an Seil, der sich um seinen Propellerschaft gelegt hat, wegschneiden. Mir wird heiss und kalt zugleich. Vielleicht noch 20 Meter bis zum Riff. Bei 10 Metern schreie ich dem kleinen Boot zu dass er ziehen soll. Es ist mir zu gefährlich. Man darf zwar niemals eine Entscheidung des Kapitäns eigenmächtig ändern, aber es machte für mich auch keinen Sinn wenn wir auch noch auf dem Riff landen. Die Einheimischen sind ohnehin zu schwach motorisiert um uns bei diesen Wind und Wellenverhältnissen zu ziehen, aber immerhin können sie uns auf der Stelle halten und wir kommen nicht noch näher an die gefährlichen Klippen. Dann ist John wieder aus dem Wasser. Den Schaft konnte er in so kurzer Zeit zwar nicht frei bekommen, aber es kann auch kein Seil mehr in den zweiten Propeller kommen. Die intakte Maschine wird gestartet und weg von diesem Ort. Inzwischen ist auch die Meldung gekommen, dass alle die am Boot waren von den diversen Dingis aufgesammelt wurden und wenigstens keine Menschen zu beklagen sind.
Für mich war es aufregend, interessant und vor allem sehr lehrreich. Was hätte ich an der Stelle des Kapitäns gemacht? (abgesehen von dem das ich hoffentlich nie so dumm bin bei so einem Wetter, mitten in der Nacht zwischen den Korallen herumnavigieren zu wollen) und vor allem, wäre es besser das Boot auf dem Riff zu lassen? Oder hätte es eine Chance gegeben in der einen Minute wo „After You“ schwamm, das Loch von aussen zuzumachen, mir einer Segelplane zum Beispiel……
Fragen über fragen, das gesunkene Boot wird sicher von den Korallen überwachsen und ein wunderschönes Riff werden, während andere Boote am Land verschrottet werden.
Übrigens der Eigner war nicht versichert. Trotzdem hat er heute morgen alle aufgefordert sich bei ihm zu melden und eventuelle Verluste von persönlichen Sachen wie Leinen, Fender, Benzin oder sonstiges zu melden, damit er den Schaden aus eigener Tasche ausgleichen kann.
Immer wieder hat sich bisher gezeigt wenn es notwendig ist und wenn Hilfe gebraucht wird halten die Segler zusammen und jeder der kann hilft dem anderen soweit es seine Möglichkeiten erlauben.
Posted by chico @ 02:06 PM CST [Link] [301 comments]
Friday, December 15, 2006
Panama dez. 2006
Als erstes mal entschuldigung, entschuldigung, entschuldigung.
wahrscheinlich haltet ihr mich alle fuer einen oberfaulen bazi, weil solange nichts neues zu lesen war. das stimmt so aber nicht ganz. die ursache lag bei der firma wo unsere webseite gehostet ist. die seite wurde auf einen neuen server gelegt, allerdings ohne uns davon zu verstaendigen. ja, und dann hatten wir auf einmal keinen zugriff mehr auf das ganze system. bis wir dann endlich rausgefunden haben woran das lag vergingen natuerlich wieder ein paar wochen und dann musste das alles wieder neu eingestellt werden. wer mich kennt weiss welch grosser computer spezialist ich bin. das heisst ich musste erst mal jemanden organisieren der das fuer mich erledigt. an dieser stelle recht herzlichen dank an hannes fuer seine hilfe.
seit ein paar tagen funktioniert es nun wieder und heute sind wir das erste mal in einem internetcafe um euch von den letzten neuigkeiten zu informieren.
also die groesste neuigkeit vorweg - eli hat zu rauchen aufgehoert. nicht erst gestern oder vorgestern, sondern die letzte zigarette hat sie am flughafen in panama city vor unserem abflug nach usa geraucht. ist also schon fast ein halbes jahr her. und sie haelt sich ausgezeichnet.
soweit die good news. wer mal bei unseren bildern reinschaut wird ein eher grausliches foto von unserem schiff sehen. wir haben ein riesiges loch in einem rumpf. wie ist das passiert.
das boot liegt ja in einem ganz ausgezeichnet geschuetzten naturhafen. zwei reihen von riffen und eine reihe mangroven und noch eine kleine vorgelagerte insel geben einen hervorragenden schutz gegen das wetter. (bilder der marina unter www.panamarina.net) in panama gibt es bekanntlich keine hurricanes also ist von der wetterseite alles ok. aber auch hier kann unvorhergesehenes passieren. ein lokaler heftiger wind so zwischen 25 und 30 knoten aus norden brachte ungewoehnlich viel wasser und der wasserstand stieg etwa einen halben meter ueber dem normalen level. dadurch wurde in dem naturbecken eine stroemung erzeugt, da das wasser welches hereingedrueckt wurde, ja wieder irgendwie abfliessen musste. waehrend der nacht ist dann leider eine unserer festmacherleinen gerissen und chi hat sich auf die seite gedreht. die spitze hat gegen das nachbarboot gedrueckt und das nachbarboot dann auf das naechste. eine kleine welle hat dann fuer die noetige auf und ab bewegung gesorgt und eine ganze lange nacht haben die 3 boote gegeneinander gestossen. die marinamitarbeiter haben natuerlich erst am naechsten morgen den schaden gemerkt und dann die sache wieder in ordnung gebracht.
bei unserem boot war NUR das loch in der spitze. das nachbarboot ist auf beiden seiten ziemlich beschaedigt mit mehreren loechern, gebrochener fensterscheibe und ausgerissener steuerungshalterung und das dritte boot hat auch so 5-6 kleine loecher und heftige abschuerfungen, sowie eine abgerissene seitenlaterne.
wir sind ja haftpflicht und kasko versichert und es sollte kein grosses problem sein. allerdings scheint das im moment nicht so klar zu sein. ich weiss auch nicht - vielleicht will die versicherung nur zeit schinden. den schaden bei unserem boot wuerde zwar meine kasko versicherung bezahlen, allerdings haben wir 3000,-- euro selbstbehalt und soviel macht der schaden nicht aus. es hat also keinen sinn die in anspruch zu nehmen. die schaeden der nachbarboote sollten durch die haftpflicht gedeckt sein, da ja bei unserem boot die leine gerissen ist. wir werden sehen welche ausreden sich die versicherung einfallen laesst um sich von der zahlungsverpflichtung zu druecken.
es ist hier noch immer regenzeit und die schaeden sollten schnellstens behoben werden um einen noch groesseren schaden durch die eindringende naesse zu verhindern.
da ich meinen schaden ohnehin aus eigener tasche behen muss, muss ich auch nicht auf eine stellungnahme der versicerung warten. ich habe daher sofort angefangen mit der reparatur. zuerst mal alles aufschleifen, dann habe ich innen einen starken karton angeklebt, aussen einen zweiten karton drueber um eine ungefaehre form vorzugeben und die ganze spitze des bootes danach mit bauschaum ausgeschaeumt. am naechsten tag die kartons entfernt, ein langes messer und schleifpapier und den riesigen schaumpatzen in form gebracht. solange bis die spitze wieder wie frueher ausgesehen hat. danach gings ans laminieren. gestern abend, kurz vorm dunkel werden haben wir angefangen die ersten 4 lagen gewebe drueberzugeben. jetzt ist das boot wieder dicht und es besteht keine gefahr mehr. allerdings die arbeit ist noch lange nicht fertig. es muessen noch mindestens 15 weitere lagen glasgewebe drueber laminiert werden. danach heisst es alles sauber und eben abschleifen, dann 3 lagen primer und dann noch ein paar schichten 2 komponenten polyurethanfarbe und es sollte wieder wie frueher aussehen. das mit der malerei ist mir im moment noch egal. wichtig ist dass das boot wieder seetuechtig ist. und dann geht es sofort wieder weiter. weg aus der hoelle der moskitos und noseeums. und sobald wir losstarten sollten auch unsere uebrigen bordsysteme wieder einsatzfaehig sein und wir konne und werden uns dann vom boot aus wieder melden.
noch eine neuigkeit. wir haben jetzt ein panamesisches handy und wer lust hat ist ganz herzlich eingeladen uns anzurufen. ueber skype kostet das nur ca. 20cent. unsere nummer von europa ist 00507-67435427
also dann bis bald mit den neuesten news
Posted by chico @ 07:45 AM CST [Link] [2117 comments]
Saturday, September 9, 2006
Wir sind wieder mal in unserem anderen Leben gelandet. Seit einiger Zeit versuchen wir wieder unseren schoenen Lebensstil aufrecht zu erhalten. Das funktioniert aber nur mit Geld und fuer Geld muss man arbeiten. Wir sind also wieder in den USA und gehen unserer Arbeit nach. Ich renoviere Wohnungen und arbeite als "Handyman" - einer der alles macht und das meiste davon sogar gut. Wasser, Abwasser, Heizungen, Elektro Anlagen, Waende abreissen und mit Rigips neue aufbauen, Malerarbeiten, Bodenleger, Zimmerer, Moebelbauer, Automechaniker, Flugzeugmechaniker, Dachdecker und einige Spezialmaschinen fuer Sonderarbeiten >zB. eine Ribboncutting maschine mit automatischer Verschweissung der Enden< habe ich auch schon gebaut. Ausserdem arbeite ich inzwischen nicht nur auf New York beschraenkt sondern amerikaweit. Unter anderem war ich 3 Wochen in Los Angeles. 2 davon zum Arbeiten und 1 Woche war richtiger Urlaub.
Was macht man in Los Angeles - man geht zum Beach und schaut ob Pamela Anderson zufaellig Dienst bei den Baywatchern hat (hatte sie nicht als wir dort waren, leider). Man schaut in Beverly Hills vorbei, man sieht sich die Universal Studios an, man geht die famous Shoppingstrassen entlang, man ....
Es war eigentlich ein wenig enttaeuschend. Vielleicht haben wir auch nur zuviel erwartet, ich weiss es nicht. Atemberauben ist es in der Nacht ueber Los Angeles zu fliegen. Etwa 25 Minuten lang nur Lichter unter dem Flieger!! Die Ausdehnung der Stadt hat enorme Dimensionen angenommen. Wo vor 12 Jahren noch Wueste war, ist heute alles besiedelt. Etwa 3 Stunden mit dem Auto von einem Ende der Stadt zum anderen Ende, bei fluessigem Verkehr. Die Flaeche entspricht etwa einem Kreis von Wels bis Wien der dichtest besiedelt ist. Das Beste an Los Angeles ist sicher das Wetter. Der uralte song "it never rains in Southern California" hat schon seine Richtigkeit.
Von Los Angeles ist es nicht weit nach Las Vegas und so lag es nahe dass wir einen kurzen Abstecher dorthin machen. Und wir hatten mehrfach Glueck dabei. Vor allem brauchten wir nicht in einem Leihwagen stundenlang durch die Wueste zu schwitzen, sondern wir konnten gemuetlich mit einer privaten Cessna dorthin fliegen. Man muss eben nur die richtigen Leute kennen. Unterwegs machten wir noch eine Zwischenlandung in Sedona. Das liegt auf einem kleinen Hochplateau - genau so wie man es in den Wild West Filmen immer sieht. Ein roter Felsen mitten in der Wueste und oben drauf ein kleiner Ort und ein Flughafen. Und da landet man. Nicht umsonst wird dieser Flughafen der "most scenic airport in USA" genannt. Ist schon atemberauben wenn du mitten am Felsplateau landest und rundherum gehts nur steil bergab. Noch dazu wenn der Pilot Elis Schwester ist, die noch in der Pilotenausbildung steckt und noch nicht so 100% locker und easy drauf ist bei den Landungen.
Las Vegas entsprach dann wieder genau dem was wir uns erwartet haben. Im Vordergrund natuerlich Spielautomaten. Wohin man geht ueberall stehen diese Geldfresser und es gibt genuegend Leute die freiwillig ihr Geld da reinstecken. Wenn ich mein Geld in den Mistkuebel schmeisse ist die Chance dass dabei mehr rauskommt genau so gross. Fantastisch sind auf alle Faelle die Hotelbauten hier. Unglaublich mit wieviel Fantasie die irrsten Palaeste hochgezogen wurden. Und man kann sogar sehr guenstig darin wohnen. Das Geld wird dann wieder bei den Spielern verdient. Es ist nur wichtig sie hierher zu locken.
Aber auch das ist inzwischen schon wieder Geschichte. Eli arbeitet derzeit sehr intensiv fuer eine Austtellung bei der groessten amerikanischen Acessoires Messe die im Rahmen der New York Fashion Week stattfindet. Da sind eine Unmenge von Vorbereitungsarbeiten noetig. Und da wir das zum Ersten mal machen, versuchen wir fuer alle Eventualitaeten gewappnet zu sein. Mal sehen wie es nach der Show aussieht. Vielleicht koennen wir wirklich viel Geld verdienen, vielleicht war alles umsonst und ausser Spesen nichts gewesen. Wir lassen uns ueberraschen.
Posted by chico @ 08:48 AM CST [Link] [2034 comments]
Tuesday, June 6, 2006
Landausflug
Der Außenborder heult auf als ich ihn hochreiße, weil ich eine kleine Sandinsel knapp unter der Wasseroberfläche übersehen habe. Es ist zum Glück nichts passiert, ich war schnell genug. Befinden sich Steine und Geröll oder Korallen im Sand, dann hat man sehr schnell einen verbogenen Propeller. Den kann man dann höchstens noch in der Küche als Mixer verwenden. Es geht weiter, immer den Flusslauf entlang, sehr langsam. Die Wassertiefe ist minimal und überall liegen Baumstämme und Steinbrocken unter der Wasseroberfläche. Dann kommen wir zu einer etwa 80 Meter langen, mit Sträuchern, einigen kleinen Palmen und verschiedenen Grasarten bewachsenen Sandinsel. Mitten im Fluss. Wobei das Wort Fluss eher übertrieben erscheint. Es ist nicht mehr als ein Wasserlauf, so 5 bis 10 Meter breit. Hier können wir nicht weiterfahren. Von nun an geht es zu Fuß weiter. Das Dingi wird sorgfältig an einer dicken Palme angebunden und zusätzlich mit einem Stahlseil und einem Schloss gesichert. Es gibt hier zwar so gut wie keine Diebstähle, aber man weiß nie wer gerade vorbeikommt. Und Gelegenheit macht Diebe. Wir haben Macheten, einen Rucksack mit einer Kleinigkeit zu essen und Enzo als Sicherheit mit. Enzo ist Italiener, aus Udine, spricht gut Deutsch und hat vor allem eine abgesägte Schrotflinte mit. Wir hoffen, dass wir sie nicht brauchen. Aber ohne Waffe ist es für uns Gringos verdammt gefährlich. Die Krokodile werden bis zu 4 Meter lang und wenn man von einem Jaguar angefallen wird, ist es auch nicht gerade lustig. Da sind die Schlangen (Anakondas und ein paar giftige Exemplare) noch eher die harmloseren Viecher.
Langsam kommen wir vorwärts. Es ist anstrengend im Wasser zu waten. Der Untergrund wird immer steiniger. Es gibt kaum eine Stelle, wo man am Ufer auf normalen Grund gehen kann. Der Urwald ist zu dicht bewachsen. Fast überall wuchern die unzähligen Pflanzenarten bis übers Wasser. Wir versuchen immer ein wenig Lärm zu machen. Dadurch nehmen uns die Tiere des Urwaldes früher wahr und können sich vor uns in Sicherheit bringen. Auch so sehen wir noch jede Menge Tiere. Bunte Froesche, Iguanas, Faultiere, riesige bunte Schmetterlinge, und, und, und…
Als wir eine große Gruppe von Brüllaffen entdecken, die direkt über uns auf 40 Meter hohen Bäumen hocken, legen wir eine kleine Pause ein. Die Affen fangen sofort wie verrückt zu brüllen an und machen ihrem Namen alle Ehre. Der Lärm den diese 12 kleinen Affen erzeugen, die nicht viel groesser als ein Schosshund sind, ist so enorm, dass wir uns auch gegenseitig anbrüllen müssen, weil man sonst sein eigenes Wort nicht mehr verstehen kann. Nach etwa 10 Minuten gegenseitigen Beobachtens fangen die Brüllaffen ganz langsam an die Bäume nach unten zu klettern. Es werden immer mehr. Auf einmal sind nicht nur 12, sondern 18 von ihnen sichtbar. Und als es 25 werden und sie nur mehr in 15 Meter Höhe sind beschließen wir weiter zu wandern. Schließlich sind wir in ihr Gebiet eingedrungen.
3 Stunden später erreichen wir unser Ziel. Einen Wasserfall der sich ca. 30 Meter tosend in die Tiefe stürzt. Wir setzen uns auf einem Felsplateau zur Rast und machen ein kleines Nickerchen. Beim Munterwerden juckt es überall. Ameisen, etwa 3 cm groß, leuchtend rot. Zu Hunderten rennen sie über und um uns herum. Ein Sprung ins kühle Wasser (nur 25 Grad) des Flusslaufes erledigt das Problem.
Es ist Zeit für den Rückweg. Enzo holt seine Machete raus und schlägt ein paar dicke Zweige als Gehstoecke ab, damit wir bergab einen besseren Halt beim Gehen im Wasser haben. Und dann ein Schrei und das Scheppern der Machete als sie auf den Felsen landet. Eine tiefe klaffende Wunde beim Daumenballen. Scharlachrot rinnt das Blut ins klare Wasser. Die Verletzung muss dringend genäht werden. Nach diesem Schreck versuchen wir den Rückweg so schnell wie möglich hinter uns zu bringen. Ein Notverband wird angelegt, das muss reichen bis wir bei den Booten sind. Kurz bevor wir das Dingi erreichen, sehen wir dann 2 etwa 3 Meter lange Krokodile in der Abendsonne auf einer Sandbank. Als sie uns wahrnehmen, verschwinden die Viecher sofort ins Wasser. Wir gehen zu den Spuren, die ins Wasser führen, können aber im nicht mal 1 Meter tiefen, absolut klaren Wasser keinen Hinweis auf die 2 Krokodile finden. Sie müssen aber irgendwo direkt vor uns im Wasser liegen. 20 Meter links und rechts von dieser Stelle ist das Wasser sehr, sehr seicht und wenn die 2 diese Stellen passiert hätten, so wäre uns das aufgefallen. Was sollen wir nun tun. Wir müssen auf die andere Seite des Flusses und dies ist die einzige Stelle wo wir den Flusslauf überqueren können. Wo anders zu queren und auf dem Land weiter zu marschieren ist hier völlig unmöglich. Wir werfen ein paar Steine ins Wasser, aber keine Bewegung im sandigen Boden wird sichtbar. Unsere Pulsfrequenzen steigen ordentlich an. Wir rotten uns ganz eng zusammen, so dass wir wie ein einziges riesiges Tier für die Krokodile wirken müssen. Jeder hält seine Machete schlagbereit, obwohl wir genau wissen, dass dies im Falle eines Angriffes herzlich wenig helfen wird. So schnell es geht setzen wir über und wenige Minuten später entkrampfen sich unsere Gesichtszüge wieder.
Unser Dingi war noch so wie wir es verlassen haben und genau zum Sonnenuntergang erreichen wir unsere Boote. Jetzt heißt es noch Enzos Wunde zu versorgen. Seine Frau Nadja weigert sich ihren Mann zu nähen. Also erklärt sich Roman bereit diese Aufgabe zu erledigen. Fachmännisch, genau so wie er es einmal vor 7 Jahren bevor er losgesegelt ist in einem Medizinbuch gelesen hat (oder war es der Film Rambo, wo sich Silvester Stallone selbst seinen Arm nähte), näht er mit 3 Stichen die Wunde zu.
Posted by chico @ 05:03 AM CST [Link] [3250 comments]
Sunday, May 14, 2006
Inzwischen hat wieder die Regenzeit angefangen. Das hat wie alles im Leben Vor- und Nachteile. Der groesste Vorteil der Regenzeit, man hat meistens Wasser in Hülle und Fülle, und das Boot ist nicht versalzt, sondern immer schön mit Suesswasser gespült. Und man hat meistens auch genügend Wasser um die Wäsche problemlos an Bord zu waschen. Außerhalb der Regenzeit und bevor wir den Wassermacher hatten, fuhren wir öfters mal in einen Fluss oder entnahmen das meistens ein wenig abgestandene Wasser eines Wasserloches auf einer der Inseln für die Wäsche. Die Nachteile sind nicht unerheblich. Wann immer man das Boot verlässt muss man alle Fenster schließen. Die Regenschauer kommen oft sehr, sehr schnell und heftig und man erreicht auch von der nur 100 Meter entfernten Insel das Boot nicht mehr rechtzeitig um einen Spülung des Bootsinneren zu verhindern. Wenn man dann aufs Boot zurückkommt ist die Luft im Inneren extrem heiß und stickig da durch die geschlossenen Luken kein Luftaustausch mehr möglich ist. Gemeinsam mit dem Regen kommt sehr oft auch für kurze Zeit ein sehr heftiger Wind aus allen möglichen Richtungen. Man muss also beim Ankern den doppelten Abstand der Kettenlänge einhalten. Sehr schwere Boote mit langem Unterwasserschiff bewegen sich nur langsam während wir mit unserem verhältnismaessig leichten Katamaran und dem Stummelkiel kaum Wasserwiderstand bieten und extrem schnell herumdrehen wenn der Wind aus der „verkehrten“ Richtung kommt. Während also das schwere Boot praktisch eine zeitlang auf der Stelle verweilt, schwingen wir schon herum und können dabei sehr leicht in ein zu nahe verankertes Boot krachen. Leider sind die geschützten Ankerplätze zwischen den Riffen oft ungenügend groß um alle Boote in entsprechend sicherem Abstand zu Verankern. Mit den Regenschauern sind sehr häufig Gewitter verbunden. Bei den ersten Blitzen heißt es sofort das Funkgerät und das GPS abklemmen, das Satellitentelefon und den Laptop schnappen und alles in einen Aluminium Koffer verstauen. Dort sind die elektronischen Geräte wie in einem Farraday’schen Käfig gegen Stromschläge geschützt. Wir kennen etliche Boote bei denen der Blitzschlag nicht direkt erfolgte, sondern nur in der Nähe ins Wasser einschlug, und dennoch alle nicht geschützten Geräte zerstört wurden. Viele Segler verwenden auch das Backrohr oder eine mit Aluminium Folie umwickelte Schachtel, an Stelle eines Alu-Koffers.
Wir werden auch oft gefragt, nicht nur von zu Hause gebliebenen, sondern auch von anderen Seglern, was wir mit dem Müll machen. Nun, die Müllentsorgung funktioniert sehr einfach. Nicht wie in Österreich, indem man alles in eine der vielen Mülltonnen wirft, denn eine Müllentsorgung gibt es in Panama (und vielen anderen Ländern) nur in den groesseren Städten. An Bord wird grundsätzlich alles organische wie Obst- und Essensreste sofort ins Meer geschmissen, wo es innerhalb kürzester Zeit von Tieren gegessen oder von Mikroorganismen zersetzt wird. Durch die hohen Temperaturen und die Hohe Luftfeuchtigkeit würden sich im Abfalleimer innerhalb kürzester Zeit Maden und andere lustige Kleintiere entwickeln. Vom enormen Gestank und den Fliegen und Mücken einmal ganz abgesehen. Alle Kunststoff-, Verpackungs-, Holz- oder sonstigen brennbaren Abfälle werden von Zeit zu Zeit am Strand verbrannt. Das klingt für den gelernten Österreichischen Müllsammler furchtbar ist aber sicher die umweltschonendste Möglichkeit dem Problem Mist Herr zu werden. Es gibt eigentlich nur 2 Materialien wo keiner einen Weg weiß wie man das am Besten entsorgen könnte. Metall und Glas. Daher hat es sich so eingebürgert dass leere Gläser und Dosen in tiefem Wasser, über 50 Meter, versenkt werden. Die Metallsachen lösen sich innerhalb kurzer Zeit auf und die Flaschen und Gläser werden hoffentlich schöne Wohnungen für Krebse und andere Kleintiere.
Für uns ist es in der Zwischenzeit schon so sehr zur Gewohnheit geworden Bananenschalen, Fischreste, Eierschalen und dergleichen über die Schulter einfach ins Meer zu werfen, dass es an Land in einem Restaurant schwierig ist diese angenehme Gewohnheit nicht auch dort zu praktizieren.
Posted by chico @ 10:45 PM CST [Link] [1176 comments]
Sunday, April 9, 2006
Immer wieder werden wir gefragt – was macht ihr eigentlich den ganzen Tag? Sitzt ihr nur auf eurem Boot und schaut blöd auf die Palmeninsel und den Sandstrand neben euch? Ist das nicht schrecklich langweilig? Jeder der so denkt sollte wohl besser zu Hause bleiben und sich vor seinen Fernseher setzen und sich die selben Fragen stellen. Was wir hier machen ist vor allem mit und in der Natur leben.
Wenn ich morgens beim ersten Tageslicht, also ca. 06:30 aufstehe, meinen Bootsrundgang mache und alles kontrolliere, kommen meistens schon die ersten Kuna Indianer angesegelt oder gerudert. Sie machen ihr Cajuco an der Insel fest und bereiten ihr Netz für den Köderfang vor. Dieses Netz ist so ca. 1,4 x 3 Meter groß und wird zwischen 2 Stangen eingespannt. Die Kunas gehen langsam den Strand entlang auf der Suche nach kleinen Köderfischen, so vielleicht 3 – 5 cm groß, um damit dann tagsüber zu angeln. Sobald sie einen Schwarm dieser kleinen Fische, die sich immer in Ufernähe aufhalten, gesichtet haben, schleichen sie langsam ins Wasser. Das Netz wird an den Stangen zwischen den Kunas gespannt und ins Wasser gehalten. Einer der beiden schmeißt ein Stück Holz oder eine Kokosnuss hinter die Fische. In ihrer Panik schwimmen sie einfach in irgendeine Richtung, Hauptsache weg von dem ins Wasser platschenden Gegenstand. Natur gemäß schwimmen dann eine ganze Menge von Ihnen auch ins Netz der Kunas. Dann heißt es nur noch das Netz schnell genug aus dem Wasser reißen, damit die Köderfische nicht wieder fliehen können. Sobald sie dann eine große Schüssel kleiner Fische haben, machen sie sich in ihrem Cajuco auf den Weg zu ihren bevorzugten Angelplätzen.
Während die Kunas ihre Vorbereitungen für den Tag treffen, versuche ich das Selbe für uns – und das heißt Frühstück machen. Und zu einem Frühstück gehört Brot dazu, zumindest für die nicht Koerndlesser. Brot kriegt man zwar hier auch zu kaufen, es hält sich auch im Kühlschrank selten länger als 3 Tage. Entweder man hat nun eine Gefriertruhe, in der man eine große Menge einfrieren kann, man segelt alle 3 Tage in das nächste Dorf, oder man bäckt sich eben das Brot selber. Da wir keine Gefriertruhe haben, das Versorgungsboot nicht regelmaessig kommt und wir keinerlei Lust haben alle paar Tage in ein Dorf zu segeln nur um Brot zu kaufen, backen wir es selber. Der Brotteig ist keine große Kunst. Ein halbes Kilo weißes und Vollkorn Mehl , 2 Essloeffel Roggenmehl, Trockenhefe (Germ), Salz, Zucker, Wasser. Dieses Grundrezept kann man selbstverständlich dann variieren mit Gewürzen, Nuessen (falls man hat) Ei, usw. Eli hat am Anfang viele, viele Versuche gemacht, bis sie herausgefunden hat, wie man das Brot auch ohne Backrohr machen kann. Es gibt selbstverständlich im Handel Spezialpfannen zu kaufen. Diese brauchen aber viel Platz, sind schwer, sauteuer und das Brot wird auch nicht besser als unseres. Das Geheimnis eines guten Brotes in der Pfanne liegt in 2 Punkten. Es muss eine Pfanne mit dickem Boden sein, damit er die Wärme gut speichern kann und der Deckel darf nicht passen. Er muss groesser als die Pfanne sein. Wozu?? Nun, beim Kochen oder backen auf einem Ofen entsteht Wärme. Durch diese Wärme entweicht die Feuchtigkeit aus dem Brotteig, steigt also in Form von Dampf in der Pfanne auf. Wenn der Deckel nun passt, kondensiert dieser Dampf an der Innenseite des Deckels und rinnt wieder in die Pfanne, bzw. in den Teig zurück. Ein fast endloser Kreislauf und das Brot wird nie wie Brot werden. Wenn der Deckel aber zu groß ist, also nicht schließt, kann der kondensierte Dampf an der Innenseite des Deckels abrinnen, aber eben nicht zurück in die Pfanne, sondern nach außen. Der Teig wird so lange geknetet bis er eine gute, zähe Konsistenz hat. Das dauert so 5 – 10 Minuten und ist ein perfektes Training für die Finger- und Unterarmmuskeln. Wenn wir das Brot tagsüber machen kommt es in eine Schüssel und wird nach 2 Stunden noch mal durchgeknetet, bevor es in die gefettete und gestaubte Pfanne kommt. In letzter Zeit sind wir allerdings dazu über gegangen den Teig am Abend vor dem Schlafen gehen vorzubereiten. Dann kommt der Teig nicht in die Schüssel zum rasten, sondern sofort in die Pfanne. Diese wird mit einem Küchentuch zugedeckt und bleibt dann über Nacht so stehen. Da ist der Teig zwar nur einmal geknetet, dafür kann er die ganze Nacht gehen. Das Resultat ist so gut wie das selbe. Steht die Pfanne endlich am Herd wir sie auf dem groessten Brenner mit der kleinstmöglichen Hitze für nur 10 Minuten erwärmt. Danach abgeschaltet und 20 Minuten Pause. Nach der Pause wird das halbfertige Brot umgedreht und auf der anderen Seite noch mal für 10 Minuten auf kleinster Flamme erhitzt. Noch mal 20 Minuten warten und ofenfrisches Brot steht am Tisch.
Der groesste Vorteil an unserem selbstgebackenen Brot liegt sicherlich in der unendlichen Vielfalt von Geschmacksvariationen die man je nach Lust und Laune hineinzaubern kann. Ein wenig Chili Pulver rein und man kriegt ein sagenhaft scharfes Brot, Sonnenblumenkerne, Nüsse, und, und, und. Eine riesige Palette an Möglichkeiten. Schwieriger ist es schon mit dem Mehl. Es gibt zwar überall Mehl zu kaufen, aber trotzdem ist es anders als zu Hause. Kauft man Mehl in einem österreichischen Supermarkt, kann man davon ausgehen, dass seit der Herstellung höchstens ein paar Wochen vergangen sind. Hier jedoch wird das Mehl nicht einzeln kiloweise verpackt, sondern die Läden haben es in großen Säcken aus denen die jeweils gewünschte Menge geschaufelt wird. Wie lange der Sack schon beim Händler liegt weiß niemand. Die Folge sind sehr oft Maden, Würmer und Käfer. Für die Lösung dieses Problems gibt es 2 Möglichkeiten. Erstens: Augen zu und alles essen, es sind ja nur Proteine. Oder zweitens: Das Mehl aussieben. Wenn wir also Mehl kaufen wird es gesiebt und kommt dann in ehemalige 5 Liter Wasserkanister. Die sind aus Plastik und dick genug dass sich irgendwelche Käfer, Kakerlaken oder was immer man sich vielleicht aufs Boot holen könnte, nicht durchfressen. Nur als Randbemerkung, unseres Wissens haben wir keine Kakerlaken an Bord, aber so was kann täglich passieren ohne dass man es merkt. Es gibt Sorten die fliegen bis zu fünfzig Meter weit (hatten wir im Rio Chagres, ein 13 cm großes Exemplar), oder man kauft eine Bananenstaude und irgendwo dazwischen hat man eine übersehen. Es werden bei uns grundsätzlich alle Einkäufe bevor sie an Bord kommen genauestens geprüft – auch zwischen den Bierdosen haben wir die Viecher schon gefunden. Im Moment kämpfen wir gegen mini Ameisen, die Tiere sind nur 1 bis 2 Millimeter groß, sehr flink und wir sehen sie überall am Boot, natürlich hauptsächlich in der Küche. Leider sind wir noch nicht dahinter gekommen wo sie ihr Nest haben und Gift wollen wir keines versprühen, Proteine, was soll’s.
Posted by chico @ 03:24 PM CST [Link] [1301 comments]
Sunday, February 26, 2006
San Blas, Februar 2006
Die letzten Tage war ich krank. Ganz plötzlich, als wir in der Nacht im Netz liegen und uns die Sterne anschauen, bildet sich eine Art Knoten in meinem Hals und ich kann nicht mehr schlucken. Luft holen ist kein Problem aber jedes mal Schlucken tut es höllisch weh. Für die Nacht nehme ich eine starke Schmerztablette und am nächsten Morgen führt der erste Weg zum Doktor. Das ist zum Glück nicht sehr weit. Nur ca. 80 Meter bis zu Pauls Boot. Er ist ein pensionierter Arzt und Heilpraktiker aus der Schweiz, der schon seit über einem Monat hier ankert und auf seine Getriebe Ersatzteile wartet. Alle Muskeln im Halsbereich sind völlig verspannt. Er verordnet mir vor allem Ruhe, Entspannungsübungen, Massagen und Windschutz für den Hals. Am Nachmittag fahre ich 3 Schiffe weiter zu Katrin aus Deutschland. Sie und ihr Mann ankern auch zufällig da, und da sie auch Ärztin ist, nutze ich die Gelegenheit eine zweite Expertise einzuholen. Wie nicht anders zu erwarten eine völlig andere Diagnose, aber immerhin ungefähr die gleiche Behandlung. Wenigstens in einem Punkt sind sich die 2 Ärzte einig. Am nächsten Tag nutze ich noch schnell die Gelegenheit und fahre bei Pam vorbei (leider nicht Pam Anderson). Sie ist Soloseglerin aus den USA und Zahnärztin. Wer weiß, vielleicht liegt die Ursache ja in den Zähnen. Nach einer gründlichen Untersuchung steht jedenfalls fest dass meine Zähne alle in Ordnung sind, das ist ja schon etwas.
3 Tage später kann ich fast schmerzfrei schlucken und probiere das erste mal wieder auf die Jagd zu gehen. Leider stellt sich sehr schnell heraus dass es mit der Harpune nicht so einfach geht. Sobald ich in die Tiefe tauche kommen beim Druckausgleich wieder Schmerzen und ich breche das Unternehmen ab. Mit der Harpune auf die Jagd zu gehen ist eine fast tägliche Beschäftigung, da Fisch inzwischen zu einem Hauptnahrungsmittel geworden ist. Mit der Angel das ist mir zu langweilig also bleibt nur die Harpune. Außerdem ist es ein sehr gutes Schwimm-, Tauch-, Muskel- und Lungentraining. Die Angel verwenden wir eigentlich nur während des Segelns. Da wird die Schleppangel rausgehängt und wenn man Glueck hat beißt einer und wenn man Pech hat dann reißt ein Fisch die Leine mitsamt dem doch relativ teurem Köder ab. Man kann natürlich ein Stahlvorfach benutzen damit die großen Fische, die den Köder oft als ganzes verschlucken, nicht die Leine durchbeißen können, oder man verwendet statt der üblichen Nylonschnur einen dünnen Stahldraht. Aber wenn dann der Köder bei einem groesseren Ast oder bei einer Koralle hängen bleibt und man mit 6 – 7 Knoten unterwegs ist, hilft alles nichts. Da rauscht die Angelleine so schnell raus, dass es einfach keine Rettung mehr gibt. Die meist einzige Ausnahme dass ich die normale Angel verwende ist in mondlosen Nächten. Da unser Cockpitlicht meistens ohnehin die ganze Nacht als Ankerlicht brennt werden kleine Fische angelockt. Diese wiederum ziehen automatisch die Aufmerksamkeit groesserer Raubfische auf sich. Nach 1 – 2 Stunden Licht in der Nacht sieht man es unter dem Boot von Fischen wimmeln und das Angeln macht Spaß. Innerhalb kürzester Zeit haben wir im Normalfall einige Fische und für den nächsten Tag ist somit unser Tisch gedeckt.
Die Beste Neuerung die wir seit 2 Monaten am Boot haben ist unser Wassermacher. Während des Sommers in New York habe ich mich intensiv mit der Konstruktion und dem Bau von Umkehr Osmose Anlagen beschäftigt. Vor dem Abflug zurück zum Boot, habe ich dann alle nötigen Einzelteile bei verschiedenen Firmen gekauft. Alle Teile sind weltweit überall erhältliche Industrieprodukte. Also massiv gebaut und halbwegs preisguenstig. Das war mir sehr wichtig, da bei den meisten fertig fabrizierten Wassermachern irgendwelche Spezialteile aus Kunststoff, oder Sonderanfertigungen dabei sind. Wenn dann ein Problem auftaucht, ist man von dieser Firma abhängig. Nach dem Einbau aller Teile gab es noch ein fast erwartetes Problem mit der Kombination Hochdruckpumpe und Elektromotor. Das konnte ich aber bald lösen und seit 2 Monaten können wir aus Meerwasser nun unser eigenes Trinkwasser produzieren. Je Stunde ca. 21 Liter mit einer Reinheit von 99,6 Prozent. Das ist sauberer als jedes Wasser das ihr in Österreich irgendwo aus den Leitungen oder aus einem Brunnen kriegt. Ein bisschen Stolz sind wir schon auf unsere selbstgebaute Trinkwasserversorgungsanlage. Wenn jemand detaillierte Informationen haben will bitte ein Email an chisailing@yahoo.com Ein paar Wochen Geduld bis zur Antwort werden schon notwendig sein.
Posted by chico @ 08:47 AM CST [Link] [1847 comments]
Saturday, January 7, 2006
Erst mal nachträglich Frohe Weihnachten und ein Gutes, Gesundes, Glückliches und erfolgreiches Neues Jahr.
Es tut uns sehr leid dass wir uns bei niemanden gemeldet haben und keinen neuen Eintrag geschrieben haben. Wir hatten riesen Probleme mit dem Versand von E-Mails übers Satellitentelefon. Empfang war möglich, Versand leider nicht. Woran es gelegen hat – keine Ahnung.
Irgendwann ist es dann doch fertig geworden, unser Boot. Fertig nur so weit dass man wieder ins Wasser zum segeln damit kann. Ein Boot ist ja nie ganz fertig. So ist es auch bei uns. Kaum ist der Anker vor dem Club Nautico in Cartagena gefallen, setze ich mich hin und fange mit der neuen Arbeitsliste an. Damit wir auch nichts vergessen. Nach dem mir 6 Punkte zum reparieren eingefallen sind bin ich sehr happy. Das sind höchstens 2 Tage Arbeit. Am Ende des Tages ist die Liste 3 Seiten lang und meine Stimmung entsprechend tief gesunken.
Die nächsten Tage sind ausgefüllt mit Besorgungen, Arztbesuchen und Einkäufen für die kommenden Monate.
Immer öfter kontrollieren wir die Wettervorhersagen. Am 10. Dezember ist es dann soweit. Die Prognosen sind einigermaßen gut. 15 Knoten Wind für den ersten Tag und etwas unter 10 Knoten für den 2ten aus Nordosten. Unser Kurs ist 252 Grad. Frühmorgens, kurz nach Anbruch des ersten Tageslichtes hieven wir den Anker und verlassen Cartagena. 5 Stunden lang fahren wir unter Motor bis wir die Windzone erreichen und Segel setzen können. Ich beschließe nicht direkten Kurs zu segeln, sondern etwa 270 – 275 Grad. Dadurch kommen wir in eine Zone etwas stärkeren Windes und wir können die Gegenströmung in Landnähe vermeiden. Erst die letzten 80 Meilen soll dann der Kurs direkt auf den Eingang des Korallengürtels nördlich der San Blas Inseln gesetzt werden. Der erste Tag verläuft super. Immer 15 – 20 Knoten, Geschwindigkeit 7 Knoten und zusätzlich 0,5 – 1 Knoten Schub durch die Strömung. Wir kommen sehr schnell voran und ich rechne natürlich schon mit einer neuen Rekord Ankunftszeit. Ab 0800 am Morgen schläft dann der Wind ein. Ab 1000 Uhr absolute Flaute. Wir treiben nur noch mit der Strömung 0,5 – 1 Knoten Fahrt. Aber immerhin in die richtige Richtung. Wir haben Sprit an Bord für etwa 90 Meilen. Ab Mittag wäre es theoretisch möglich den Motor zu starten und den Rest unter Maschine zurückzulegen. Allerdings haben wir 2 Tage nach unserer Ankunft Freunde an Bord. Und wenn wir jetzt unter Maschine fahren und dann in den San Blas keinen Benzin bekommen, was sehr oft vorkommt, dann sind wir angeschmiert. Zwischen den Riffen ohne die Möglichkeit des Motors, nur unter Segel zu manövrieren mit all den Strömungen das ist nicht was ich wirklich will. Es ist einfach zu gefährlich. Wir warten also bis wir auf 40 Seemeilen an die Inseln herangetrieben sind und starten dann den Motor um den Rest der Strecke zu fahren. Dadurch bleibt uns noch genügend Benzin für die Zeit mit unseren Freunden. Außerdem kommen wir dadurch dann am nächsten Morgen bei Tageslicht an. Wir haben einen neuen Langsam Rekord aufgestellt. 49 Stunden – das sind mindestens um 14 Stunden zu langsam. Aber was solls.
Wir genießen den einen Tag Freizeit den wir haben, Urlaub. Eine ganz neue Erfahrung für uns.
Schoene Tage vergehen mit unseren Freunden. Endlich wieder schnorcheln, klares Wasser, angenehme Temperaturen, Palmen, Sandstraende, und, und, und…..
In den naechsten Tagen kommen neue Fotos auf die Seite.
Wer uns erreichen will kann uns unter unserer neuen Iridium Satelliten Telefon Nummer 008816-315-72662 jederzeit anrufen. Zumindest tagsüber haben wir es eingeschaltet. Bitte die 6 Stunden Zeitverschiebung beachten (bei uns ist es schon 6 stunden spaeter).
Posted by chico @ 10:59 AM CST [Link] [1074 comments]
Sunday, November 27, 2005
Cartagena 27.11.2005
Es regnet, wieder einmal. Wir stehen noch immer im Schlamm und die Moskitos sind auch nicht weniger geworden. Es scheint dass auch die Arbeit nicht weniger wird, obwohl schon viel geschehen ist. Nur leider sieht man das meiste davon nicht. Geschliffen, gespachtelt und darüber gestrichen, wieder geschliffen, gespachtelt und darüber gestrichen und man sieht nichts von der ganzen Arbeit. Es sieht aus wie vorher, nur etwas glatter und etwas weißer.
Viele von euch werden sich fragen warum tun die sich die Arbeit an? Es ist ja nur ein Cockpit. Aber für uns ist es unser Wohnzimmer.
Von Cartagena haben wir bisher nicht viel gesehen. Wenn wir in die Stadt wollen, das Werftgelände ist etwa 7 km außerhalb der Stadt, gibt es 3 Möglichkeiten. Der öffentliche Bus, ein Auto-Taxi oder ein Motorrad-Taxi. Eli weigert sich diese zu benützen. Ich nehme immer das Motorrad Taxi wenn ich schnell Material fürs Boot besorgen muss. Diese Moto-Taxis sind leicht zu erkennen. Hat der Lenker einen zweiten Helm in der Armbeuge hängen, dann ist er als Taxi unterwegs. Für ein paar Pesos bringt er einen dann wohin man will, manchmal auch noch viel weiter. Die warten sogar bis man die Einkäufe erledigt hat, damit er auch die Rückfahrt sicher hat. Einmal hatten wegen eines Feiertages die Hälfte der Geschäfte geschlossen und der gute Mann ist mit mir 2 Stunden lang kreuz und quer durch halb Columbien gedüst, nur weil er unbedingt ein offenes Epoxi Geschäft für mich finden wollte. Wahrscheinlich war er nur neugierig was Epoxi überhaupt ist. Die logische Folge davon war dass sich Eli extreme Sorgen um mich gemacht hat, und ich habe mir einen ordentlichen Sonnenbrand an den Oberarmen geholt. Und alles war umsonst – kein Epoxi.
Bus fahren hier ist wie Lottospielen, nur dass die Chancen dass man zufällig im richtigen Bus sitzt ein wenig besser stehen. Es gibt Unmengen von öffentlichen Bussen. Eine Fahrt kostet 800 – 900 Pesos (ca. 40 Cent) und für uns ist bisher nirgendwo ersichtlich welche Busse wohin fahren. Wenn zu wenig Passagiere im Bus sind, kann es schon vorkommen dass der Fahrer extra kreuz und quer durch Seitenstrassen fährt, in der Hoffnung noch mehr Fahrgäste zu finden.
Meistens nehmen wir aus Bequemlichkeit und Zeitmangel das normale Taxi. Ja ihr habt richtig gelesen – Zeitmangel. Wir haben richtig Stress. Tagsüber können wir kaum weg weil wir die Arbeiter antreiben müssen, und bis wir dann endlich aufgeräumt und geduscht haben ist es schon dunkel und wir sind so hungrig dass wir nicht eine zusätzliche ¾ Stunde mit dem Bus durch die Gegend schaukeln wollen.
Mit unseren Columbianischen Arbeitern sind wir eigentlich recht zufrieden auch wenn wir die Jungs ständig antreiben müssen. Am Besten hilft noch immer wenn es Eli wieder mal zu langsam geht und sie selber zum Schmirgelpapier greift und anfängt herumzuschimpfen.
Ich bleib dann im Boot und grins mir einen. Es ist doch für etwas gut, dass in jeder Frau ein kleiner Drachen steckt den Männer fürchten.
Posted by chico @ 05:10 PM CST [Link] [2073 comments]
Friday, November 18, 2005
Cartagena (Columbien) 18. 11.2005
Wir haben die erste Nacht überstanden. Der Kampf mit den Moskitos ist bitter. Wir können nicht noch mehr Blut verlieren. Am Morgen beginnen wir mit der Organisation unserer Arbeiten. Unser Arbeitstrupp steht schon bereit und während des Frühstücks beginnt eine wilde Verhandlung ums Geld. Wir einigen uns schließlich auf 3.500.000,-- Pesos für die Arbeiten und das Material. Ein ganz schöner Batzen für Fahrtensegler.
Unsere 4 Columbianer werden das komplette Unterwasserschiff schleifen, teilweise neu laminieren, speziell die Kiele verstärken, die Ruder neu laminieren, Füllern, Gelcoaten, Primern und den Unterwasseranstrich neu machen. Das komplette Cockpit schleifen, ausbessern und neu streichen. Sowie das Loch das uns nach dem Mastbruch das Rescue Boot reingeschlagen hat, und das nach der schlampigen Arbeit der Werftarbeiter der Firma Yatec in Alcudia (Mallorca) sich wieder aufgelöst hat, neu versiegeln, laminieren und finishen.
Unsere Arbeiten bestehen aus: neues Küchenfenster machen, die alte Windmessanlage demontieren und die neue installieren, den neuen GPS einbauen und verdrahten, ein komplettes Motorservice, Motor wieder kippbar machen, das Dingi kleben, einen neuen Wassertank laminieren, den Wassermacher einbauen, ein neues Biminidach nähen und anbringen, die zusätzlichen Solarpanele montieren, die Sitzbänke umbauen, den Sockel für das WC neu machen, ein Amperemeter einbauen, und, und, und….. wenn ich das so lese wird mir selber schlecht was wir alles so in 3 Wochen erledigen sollen.
Dazu kommt noch dass wir uns mit unserem spärlichen Spanisch einen Aluminium- und Nirostahl- Schweißer suchen müssen, Unmengen von Kleinzeug besorgen sollen, und einige Arztbesuche vornehmen wollen.
Ein Problem hier ist auch das Wetter. Es ist zwar wunderschön warm, regnet aber alle paar Stunden mal heftig. Das Marinagelände ist natürlich nicht asphaltiert, sondern ein großes Schlammbad. Und wir sitzen mitten drinnen. Um uns stehen riesige Frachtschiffe auf denen ständig mit Sandstrahlgeräten gearbeitet wird. Dadurch ist immer ein feiner Staub in der Luft und leider auch auf dem Boot. Es ist unmöglich die Fenster aufzumachen. Sofort ist alles mit einer dicken Staubschicht überzogen. Das macht das Arbeiten im Boot sehr lustig!!! 33 Grad Celsius, 95 % Luftfeuchtigkeit, eine lange Hose gegen die Moskitos und kein Windhauch der Abkühlung bringt.
So sieht also das Leben im Paradies im Moment für uns aus, also wenn ihr morgen in der Früh in die Arbeit geht und das Eis vom Autofenster schaben müsst, freut euch dass ihr nicht im Dreck steht und euch die Moskitos auffressen.
Posted by chico @ 06:17 PM CST [Link] [4023 comments]
Friday, November 11, 2005
11. 11. 2005 faschingsbeginn
wir sind beneidenswert ??????
am mittwoch haben wir uns endlich von new york losgerissen. um 0835 in der frueh stieg unser flieger in die luft. da das mit dem packen bei seglern nicht ganz so einfach ist, war mit schlaf nicht viel los in der vorigen nacht. wir mussten unsere 60kg gepaeck je person ausnutzen. ganz ist es sich nicht ausgegangen. einige restposten stehen noch in new york, die hoffentlich irgendwann im laufe der zeit nachgebracht werden. wir besorgeten noch 2 extra riesige taschen um auch alles unter zu kriegen. bei dem zwischenstop in bogota war es wider erwarten saukalt und wir mussten dort 5 stunden ausharren bis zu unserem weiterflug nach cartagena. das gepaeck haben wir auf anraten anderer segler gleich durchchecken lassen. in bogota wird naehmlich sehr genau kontrolliert und in cartagena nicht. und unsere mitbringsel waren um einiges mehr wert als die erlaubte einfuhrsumme. und wir hatten glueck und wurden nicht kontrolliert, alles ist angekommen und alles war noch drinnen. dann mussten wir uns nur noch ein taxi suchen das gross genug war um alles unterzukriegen.
um 2215 erreichten wir schliesslich unser boot. die richtung zur marina mussten wir dem wenig ortskundigen taxler angeben. da wir selbst erst einmal von dort in die stadt gefahren sind, nicht spanisch sprechen und keine ahnung hatten wie der stadtteil heisst wo die marina liegt, war das ganze nicht so einfach.
als wir CHI sahen, blieb uns beiden das herz stehen. das boot wurde waehrend unserer abwesenheit umgestellt und lag derart falsch auf den holzsockeln, dass es uns den magen umgedreht hat. eli hat sich nicht getraut aufs boot zu gehen, also bin ich vorgegangen um die erst inspektion vorzunehmen.
im cockpit stand eine 2 zentimeter tiefe schlamm, schleifstaub und dreckschicht. innen sah es auf den ersten blick ganz ok aus. kein schimmel, keine ratten. der zweite blick trieb mir fast die traenen in die augen. der steuerbord kiel hat sich durch das falsche aufpackeln in den rumpf gedrueckt!!!!! man merkte es an den wackelnden bodenbrettern dass darunter etwas nicht in ordnung ist.
mitten in der nacht konnten wir dieses problem nicht loesen. ein anderes bereitete uns in diesem moment groessere sorgen. unter unserem schiff haben sie einen dieselgenerator eines frachtschiffes deponiert. es war so laut das wir 40 meter vom boot weggehen mussten um uns unterhalten zu koennen. der wachposten beruhigte uns dass die maschine zwischen 0100 nachts und 0700 morgens ausgeschaltet wird - sehr witzig. wir waren beide zum umfallen muede, aber an schlaf war da nicht zu denken. irgendwann sind wir dann doch eingeschlafen und am naechsten morgen sah die welt dann schon wieder etwas, aber wirklich nur etwas, rosiger aus.
fortsetzung folgt bald, falls uns die moskitos bis dahin nicht ausgesaugt haben.
Posted by chico @ 02:03 PM CST [Link] [2322 comments]