CHI ::: SAILING LOG

Cartagena 27.11.2005


Es regnet, wieder einmal. Wir stehen noch immer im Schlamm und die Moskitos sind auch nicht weniger geworden. Es scheint dass auch die Arbeit nicht weniger wird, obwohl schon viel geschehen ist. Nur leider sieht man das meiste davon nicht. Geschliffen, gespachtelt und darüber gestrichen, wieder geschliffen, gespachtelt und darüber gestrichen und man sieht nichts von der ganzen Arbeit. Es sieht aus wie vorher, nur etwas glatter und etwas weißer.
Viele von euch werden sich fragen warum tun die sich die Arbeit an? Es ist ja nur ein Cockpit. Aber für uns ist es unser Wohnzimmer.
Von Cartagena haben wir bisher nicht viel gesehen. Wenn wir in die Stadt wollen, das Werftgelände ist etwa 7 km außerhalb der Stadt, gibt es 3 Möglichkeiten. Der öffentliche Bus, ein Auto-Taxi oder ein Motorrad-Taxi. Eli weigert sich diese zu benützen. Ich nehme immer das Motorrad Taxi wenn ich schnell Material fürs Boot besorgen muss. Diese Moto-Taxis sind leicht zu erkennen. Hat der Lenker einen zweiten Helm in der Armbeuge hängen, dann ist er als Taxi unterwegs. Für ein paar Pesos bringt er einen dann wohin man will, manchmal auch noch viel weiter. Die warten sogar bis man die Einkäufe erledigt hat, damit er auch die Rückfahrt sicher hat. Einmal hatten wegen eines Feiertages die Hälfte der Geschäfte geschlossen und der gute Mann ist mit mir 2 Stunden lang kreuz und quer durch halb Columbien gedüst, nur weil er unbedingt ein offenes Epoxi Geschäft für mich finden wollte. Wahrscheinlich war er nur neugierig was Epoxi überhaupt ist. Die logische Folge davon war dass sich Eli extreme Sorgen um mich gemacht hat, und ich habe mir einen ordentlichen Sonnenbrand an den Oberarmen geholt. Und alles war umsonst – kein Epoxi.
Bus fahren hier ist wie Lottospielen, nur dass die Chancen dass man zufällig im richtigen Bus sitzt ein wenig besser stehen. Es gibt Unmengen von öffentlichen Bussen. Eine Fahrt kostet 800 – 900 Pesos (ca. 40 Cent) und für uns ist bisher nirgendwo ersichtlich welche Busse wohin fahren. Wenn zu wenig Passagiere im Bus sind, kann es schon vorkommen dass der Fahrer extra kreuz und quer durch Seitenstrassen fährt, in der Hoffnung noch mehr Fahrgäste zu finden.
Meistens nehmen wir aus Bequemlichkeit und Zeitmangel das normale Taxi. Ja ihr habt richtig gelesen – Zeitmangel. Wir haben richtig Stress. Tagsüber können wir kaum weg weil wir die Arbeiter antreiben müssen, und bis wir dann endlich aufgeräumt und geduscht haben ist es schon dunkel und wir sind so hungrig dass wir nicht eine zusätzliche ¾ Stunde mit dem Bus durch die Gegend schaukeln wollen.
Mit unseren Columbianischen Arbeitern sind wir eigentlich recht zufrieden auch wenn wir die Jungs ständig antreiben müssen. Am Besten hilft noch immer wenn es Eli wieder mal zu langsam geht und sie selber zum Schmirgelpapier greift und anfängt herumzuschimpfen.
Ich bleib dann im Boot und grins mir einen. Es ist doch für etwas gut, dass in jeder Frau ein kleiner Drachen steckt den Männer fürchten.

Posted by chico @ 05:10 PM CST [Link] [No Comments]

Friday, November 18, 2005

Cartagena (Columbien) 18. 11.2005


Wir haben die erste Nacht überstanden. Der Kampf mit den Moskitos ist bitter. Wir können nicht noch mehr Blut verlieren. Am Morgen beginnen wir mit der Organisation unserer Arbeiten. Unser Arbeitstrupp steht schon bereit und während des Frühstücks beginnt eine wilde Verhandlung ums Geld. Wir einigen uns schließlich auf 3.500.000,-- Pesos für die Arbeiten und das Material. Ein ganz schöner Batzen für Fahrtensegler.
Unsere 4 Columbianer werden das komplette Unterwasserschiff schleifen, teilweise neu laminieren, speziell die Kiele verstärken, die Ruder neu laminieren, Füllern, Gelcoaten, Primern und den Unterwasseranstrich neu machen. Das komplette Cockpit schleifen, ausbessern und neu streichen. Sowie das Loch das uns nach dem Mastbruch das Rescue Boot reingeschlagen hat, und das nach der schlampigen Arbeit der Werftarbeiter der Firma Yatec in Alcudia (Mallorca) sich wieder aufgelöst hat, neu versiegeln, laminieren und finishen.

Unsere Arbeiten bestehen aus: neues Küchenfenster machen, die alte Windmessanlage demontieren und die neue installieren, den neuen GPS einbauen und verdrahten, ein komplettes Motorservice, Motor wieder kippbar machen, das Dingi kleben, einen neuen Wassertank laminieren, den Wassermacher einbauen, ein neues Biminidach nähen und anbringen, die zusätzlichen Solarpanele montieren, die Sitzbänke umbauen, den Sockel für das WC neu machen, ein Amperemeter einbauen, und, und, und….. wenn ich das so lese wird mir selber schlecht was wir alles so in 3 Wochen erledigen sollen.
Dazu kommt noch dass wir uns mit unserem spärlichen Spanisch einen Aluminium- und Nirostahl- Schweißer suchen müssen, Unmengen von Kleinzeug besorgen sollen, und einige Arztbesuche vornehmen wollen.

Ein Problem hier ist auch das Wetter. Es ist zwar wunderschön warm, regnet aber alle paar Stunden mal heftig. Das Marinagelände ist natürlich nicht asphaltiert, sondern ein großes Schlammbad. Und wir sitzen mitten drinnen. Um uns stehen riesige Frachtschiffe auf denen ständig mit Sandstrahlgeräten gearbeitet wird. Dadurch ist immer ein feiner Staub in der Luft und leider auch auf dem Boot. Es ist unmöglich die Fenster aufzumachen. Sofort ist alles mit einer dicken Staubschicht überzogen. Das macht das Arbeiten im Boot sehr lustig!!! 33 Grad Celsius, 95 % Luftfeuchtigkeit, eine lange Hose gegen die Moskitos und kein Windhauch der Abkühlung bringt.

So sieht also das Leben im Paradies im Moment für uns aus, also wenn ihr morgen in der Früh in die Arbeit geht und das Eis vom Autofenster schaben müsst, freut euch dass ihr nicht im Dreck steht und euch die Moskitos auffressen.

Posted by chico @ 06:17 PM CST [Link] [1 Comment]

Friday, November 11, 2005

11. 11. 2005 faschingsbeginn

wir sind beneidenswert ??????

am mittwoch haben wir uns endlich von new york losgerissen. um 0835 in der frueh stieg unser flieger in die luft. da das mit dem packen bei seglern nicht ganz so einfach ist, war mit schlaf nicht viel los in der vorigen nacht. wir mussten unsere 60kg gepaeck je person ausnutzen. ganz ist es sich nicht ausgegangen. einige restposten stehen noch in new york, die hoffentlich irgendwann im laufe der zeit nachgebracht werden. wir besorgeten noch 2 extra riesige taschen um auch alles unter zu kriegen. bei dem zwischenstop in bogota war es wider erwarten saukalt und wir mussten dort 5 stunden ausharren bis zu unserem weiterflug nach cartagena. das gepaeck haben wir auf anraten anderer segler gleich durchchecken lassen. in bogota wird naehmlich sehr genau kontrolliert und in cartagena nicht. und unsere mitbringsel waren um einiges mehr wert als die erlaubte einfuhrsumme. und wir hatten glueck und wurden nicht kontrolliert, alles ist angekommen und alles war noch drinnen. dann mussten wir uns nur noch ein taxi suchen das gross genug war um alles unterzukriegen.
um 2215 erreichten wir schliesslich unser boot. die richtung zur marina mussten wir dem wenig ortskundigen taxler angeben. da wir selbst erst einmal von dort in die stadt gefahren sind, nicht spanisch sprechen und keine ahnung hatten wie der stadtteil heisst wo die marina liegt, war das ganze nicht so einfach.
als wir CHI sahen, blieb uns beiden das herz stehen. das boot wurde waehrend unserer abwesenheit umgestellt und lag derart falsch auf den holzsockeln, dass es uns den magen umgedreht hat. eli hat sich nicht getraut aufs boot zu gehen, also bin ich vorgegangen um die erst inspektion vorzunehmen.
im cockpit stand eine 2 zentimeter tiefe schlamm, schleifstaub und dreckschicht. innen sah es auf den ersten blick ganz ok aus. kein schimmel, keine ratten. der zweite blick trieb mir fast die traenen in die augen. der steuerbord kiel hat sich durch das falsche aufpackeln in den rumpf gedrueckt!!!!! man merkte es an den wackelnden bodenbrettern dass darunter etwas nicht in ordnung ist.
mitten in der nacht konnten wir dieses problem nicht loesen. ein anderes bereitete uns in diesem moment groessere sorgen. unter unserem schiff haben sie einen dieselgenerator eines frachtschiffes deponiert. es war so laut das wir 40 meter vom boot weggehen mussten um uns unterhalten zu koennen. der wachposten beruhigte uns dass die maschine zwischen 0100 nachts und 0700 morgens ausgeschaltet wird - sehr witzig. wir waren beide zum umfallen muede, aber an schlaf war da nicht zu denken. irgendwann sind wir dann doch eingeschlafen und am naechsten morgen sah die welt dann schon wieder etwas, aber wirklich nur etwas, rosiger aus.
fortsetzung folgt bald, falls uns die moskitos bis dahin nicht ausgesaugt haben.

Posted by chico @ 02:03 PM CST [Link] [No Comments]


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