CHI ::: SAILING LOG
Monday, November 24, 2003
Montag 24. 11. 2003
Heute haben wir Titusville in Florida, die Stadt die durch Cape Canaveral lebt, erreicht. Mit dem Motor haben wir die letzten Tage Meile um Meile im Intracoastal Waterway zurueckgelegt. Der Wind ist leider nicht so wie wir ihn gerne haetten. Meistens weht es aus suedlichen Richtungen. Schwenkt der Wind dann auf Nord, so bleiben hoechstens noch 2 Beaufort uebrig.
Fuer alle Segler zu Hause hier ein kleines Rechenbeispiel, damit ihr selbst sehen koennt wie schnell wir am Atlantik voran kaemen. Windstaerke 8 Knoten genau aus Sued, gewuenschte Fahrtrichtung 210 Grad (SSW), angenommene erreichbare Geschwindigkeit 5 Knoten, Gegenstrom durch den Golfstrom 2,4 Knoten. Also wieviel Fahrt machen wir tatsaechlich in die gewuenschte Richtung???
Uns ist endlich wieder warm geworden. Die Temperaturen in Florida sind im Gegensatz zum Norden sehr ertraeglich. Das Frieren bleibt hoffentlich Vergangenheit. In den ersten Nachtfahrten nach New York, hatte wir noch 3 Hosen und 4 Pullover uebereinander an um beim Wachegehen nicht zu erfrieren. Inzwischen laufen wir wieder in Badeschlapfen durch die Gegend.
Wie launisch und unberechenbar der Wind sein kann, durften wir in Beaufort erleben. Wir waren sicher vor Anker und warteten eine durchziehende Kaltfront ab, die Sturmboen bis 50 Knoten bringen sollte. Unser Dinghi war wie ueblich am Heck des Schiffes vertaeut. Ploetzlich fegte eine dieser Hammerboen uebers Schiff, hob das Dinghi samt Aussenborder einfach in die Luft, drehte es um und knallte es wieder aufs Wasser. Mit dem Motor nach unten. Zum Glueck hatten wir es zufaellig gesehen. Wir stuerzen beide gleichzeitig durch die schmale Tuer, zerren das Beiboot hoch und drehen es wieder um. Die Paddel, die immer im Dinghi liegen, treiben im Wasser. Elena reisst sich die Kleider vom Leib, greift nach den Flossen und hechtet in das kuehle Nass. Wir sind in Amerika und da springt man nicht einfach nackt durch die Gegend, auch wenn Sauwetter ist. Viele der Boote rund um uns hatten sicher ihren Spass an der Vorfuehrung, aber was solls. Wenigstens hat keiner 911, die amerikanische Notrufnummer gewaehlt. Der Beibootmotor wird abmontiert und ins trockene gebracht. Ein umfassendes Motorservice war angesagt. Salzwasser gehoert nicht zu den bevorzugten Schmiermitteln unseres Motors. Mit ruhigem Gewissen kann ich sagen, er laeuft jetzt besser als zuvor.
Am naechsten Tag gings raus auf den Atlantik. Der Wetterbericht hatte 20 Knoten aus Nordwest fuer diesen Tag, und 10 - 15 Knoten fuer die beiden naechsten Tage vorhergesagt. Also ideale Bedingungen fuer uns. Die Ausfahrt aus dem Inlet glich allerdings einer Fahrt in der Waschmaschine. Nicht 20 sondern 30 - 35 Knoten Wind erwarteten uns. Dazu kam eine Kreuzsee verursacht durch den Golfstrom, den Tidenstrom und den Wind, der uns Wellen aus allen Richtungen bescherte. Elena, am Vortag noch mutig, sass still und leise in ihrer bevorzugten NichtsobesondersgutimMagenfuehlEcke, und starrte gerade aus in die Weiten des Atlantik, an ihrem Zwieback kauend. Es dauerte wie meistens bei ihr so 3 bis 4 Stunden dann war das aergste ueberstanden und sie konnte wieder zu normaler Nahrung uebergehen und auch ein paar einfache Handgriffe erledigen. Leider hielt der prognostizierte Wind nur einen anstatt 3 Tagen an und so kurvten wir am zweiten Tag wieder zurueck in den Intracoastal Waterway.
Im Moment sind wir auf der Suche nach einer Werft, wo wir das Boot halbwegs preiswert aus dem Wasser holen koennen. Wir wollen dem Unterwasserschiff einen neuen Schutzanstrich verpassen bevor es wieder in warme Gewaesser kommt. Ausserdem soll natuerlich auch alles nocheinmal gecheckt werden vor der Karibik und vor dem Pazifik.
Posted by chico @ 03:11 PM CST [Link] [1 Comment]
Friday, November 7, 2003
freitag 7. november 2003
endlich, endlich, endlich sind wir wieder unterwegs. seit 1 woche haben wir die betonwaende um uns gegen ein paar millimeter plastik getauscht. bei wunderschoenem wetter sind wir aus new york ausgelaufen, den hudson river runter und raus auf den atlantik. leider hat der wind nicht so mitgespielt wie wir und der wetterbericht uns das vorgestellt hatten.
in den ersten stunden gabs noch wind mit 15 knoten aus westen, der aber sehr bald auf suedwest drehte, genau die richtung wo wir hin wollten. wir mussten also kreuzen und so verlaengerte sich die strecke von 280 auf fast 500 seemeilen die wir zuruecklegten. zusaetzlich flaute der wind noch ab auf unter 10 knoten. wir hatten also ideale bedingungen um moeglichst langsam zu sein. bei guenstigen wind koennen wir die strecke new york bis norfolk in 2 tagen schaffen, gebraucht haben wir 5 tage. als naehmlich am abend des dritten tages der wind voellig einschlief, suchten wir uns der einfachheit halber eine etwas flachere stelle und schmissen den anker in den atlantik. so konnten wir zumindest eine nacht bei 0 wind und nur leichter duenung durchschlafen.
am dienstag erreichten wir gegen mittag die suedeinfahrt der chesapeak bay. und puenktlich eine halbe stunde zuvor fiel der nebel ueber uns her. sichtweite keine 40 meter. trotz radar und gps es ist so unheimlich. und der schiffsverkehr dort sprengt alles was wir bisher gesehen hatten. dagegen sind die strasse von gibraltar oder die strasse von messina verlassene, schiffsarme gegenden. hier rauscht wirklich mindestens jede minute einer der grossen transportkaehne an uns vorueber. und man sieht nichts. man hoert zwar die hupe, kann aber nicht sagen woher der ton kommt. kaum hatten wir die erste durchfahrt passiert biegen wir ab zur naechsten marina um aufzutanken. alles geschlossen. wir muessen auf die andere seite der einfahrt zur willoughbay marina. das heisst quer ueber die einfahrtsstrasse, bei null sicht. eigentlich unverantwortlich, aber wir fahren bereits mit den letzten tropfen sprit. wir haben sogar den tank vom beiboot schon ausgeleert um die 2 letzten meilen noch zu schaffen.
ich hatte die hosen gestrichen voll. nie zuvor habe ich mich beim segeln so gefuerchtet wie beim ueberqueren dieser einfahrtsstrasse. man gleitet langsam in voelliger stille uebers wasser, schaut auf alle instrumente gleichzeitig, horcht links, rechts, voraus. ueberall meint man etwas zu hoeren, siehtr am radar etwas heranrauschen, man kann nichts dagegen tun. wenn man wirklich auf kollision ist kann man nichts dagegen tun. bis man ausweicht, kracht es schon. es geht alles gut. wir finden auch noch die richtigen einfahrtstonnen und kommen buchstaeblich mit den allerletzten tropfen benzin zur tankstelle. nach dem tanken falle ich um wie ein stein und muss erst mal eine stunde schlafen. die anspannung war enorm.
also wie ihr seht es ist uns auch unterwegs nicht fad.
Posted by chico @ 08:21 AM CST [Link] [No Comments]