CHI ::: SAILING LOG

Montag, 16. August 2004


Ein ruhiger, gut geschuetzter Ankerplatz hilft uns bei den Vorbereitungen fuer unsere neuen Plaene.

Wir werden unser Schiff fuer 4 Monate verlassen und nach New York und Oesterreich fliegen.

Der eine oder andere wird jetzt fragen "na und, was ist dabei schon grossartig vorzubereiten?" Wir haben auch geglaubt in 2 - 3 Tagen koennen wir das schaffen. Gebraucht haben wir schliesslich und endlich eine ganze Woche bis alles erledigt war. Und dafuer ist eben ein moeglichst ruhiger Ankerplatz auesserst hilfreich.
Der grosse unbekannte Faktor hier ist das Wetter. Es ist Regenzeit und man weiss nie wird es heute nur 1 oder 4 Stunden, oder gar den ganzen Tag regnen. Durch den Regen herrscht eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit - selten unter 75%. Die komplette Bekleidung faengt an zu modern, auf Leder waechst der Schimmel so schnell dass man mit dem eincremen nicht mehr nachkommt, wenn man nicht entsprechende Vorsorge trifft.
Freunde von uns sind fuer 5 Wochen nach Deutschland geflogen. Als sie zurueckkamen, war ihr Boot innen total mit Schimmel ueberzogen. Sie mussten in ein Hotel ziehen, erst nach 3 Tagen hatten sie das Schiff so weit vom Schimmel und Moder befreit, das sie zurueck konnten.
Was haben wir nun gemacht, um nicht das Selbe Schicksal zu erleiden, wenn wir wieder nach Panama zurueckkehren?
Alle Textilien - also die komplette Bekleidung von der Unterhose bis zur Krawatte (Ha Ha), Handtuecher, Decken, Bettwaesche usw. - alle Buecher, alle CD's, Rettungswesten, bewegliche Elektroniksachen, kurz gesagt alles was am Boot nicht irgendwie angeschraubt ist, wurde in grosse schwarze Muellsaecke verstaut. Danach die Luft abgesaugt damit ein Vakuum entsteht, und dann luftdicht verschlossen.
Es ist unglaublich wieviel Zeug man auf so einem kleinen Schiff unterbringen kann.
Jeder Wassertropfen wurde sorgfaeltig aus den Bilgen aufgetrocknet. Die Ueberzuege der Matratzen wurden ebenso wie alle Textilien die jemals mit Salzwasser oder Schweiss in Beruehrung kamen sorgsam gewaschen. Das Salz wuerde die Luftfeuchtigkeit wie ein Schwamm anziehen und Schimmelpilz waere die Folge.
Die Aussenborder wurden geserviced und versiegelt, alle mechanischen Teile am Boot die man erreichen kann eingefettet und die Segel abgeschlagen.
Dabei hat sich Elena leider ziemlich an der Hand verletzt. Es ist genau das passiert wovor gerade sie immer warnt. Beim Runterlassen des Hauptsegels rutscht ihr das Grossfall aus der Hand. Instinktiv fasst sie mit der freien zweiten Hand nach dem Fall. Genau das ist es was man nie tun sollte. Wenn das Segel einmal runterrauscht dann rauscht es eben runter. Aber niemals das Seil nachfassen. Die Folge war eine tiefe stark schmerzende Brandwunde ueber die gesamte Innenseite der Hand.

Wie schon erwaehnt, nach einer Woche waren die Arbeiten abgeschlossen. Wir machten uns auf den Weg in die Marina Panamarina.
Die Panamarina ist von der Natur bestens geschuetzt. Und das auf mehrfache Weise. Zuerst muss man die Einfahrt finden, was gar nicht so leicht war. Durch 2 Riffbaenke geht es im Zickzack zu den Anlegestellen zwischen den Mangroven. Die Anlegestellen sind sehr einfach aber aeusserst effektiv. Alle Boote werden zwischen 4 Mooringbaellen vertaeut. Der dritte Schutz nach Riff und Mangroven sind die Moskitos. In der Regenzeit schluepfen diese Biester und fliegen zu Milliarden durch die Mangroven. Und genau die Gegend rund um die Panamarina ist anscheinend ihr Hauptaufenthaltsort. Nicht einmal die Einheimischen halten sich in der Panamarina auf. Deshalb haben wir das Boot auch nicht dort, sondern ein paar Meilen entfernt vorbereitet. Wir sind dann am Vorabend unseres Fluges nach New York in die Panamarina gemotort, haben unser Gepaeck bereitgelegt und am naechsten Morgen gings dann ab zum Flughafen.

So eine Reise von den Mangroven Panamas zum Tocumen International Airport in Panama City gestaltet sich etwas anders als von zu Hause gewoehnt.
Von der Panamarina bis zur Busstation an der Verbindungsstrasse in Richtung Sabanita hat uns die Besitzerin der Panamarina, Sylvie, eine zierliche kleine Franzoesin, mit ihrem Pick Up Truck mitgenommen. Von dort wollten wir mit dem Bus nach Colon fahren. Puenktlich 10 Minuten vor Abfahrt waren wir dann auch an der Bushaltestelle. Allerdings war an diesem Tag, wie uns eine Einheimische erklaerte, der Bus bereits ein bisschen frueher gefahren. Pech, der naechste geht erst in 4 Stunden. Na ja, nicht so schlimm. Sylvie faehrt uns noch 3 Kilometer weiter zu einer etwas groesseren Kreuzung. Von dort versuchen wir per Autostop weiterzukommen. Das ist hier gar nicht so unueblich und man wird im Normalfall meistens, wie wir selber schon des oefteren ausprobiert haben, ziemlich schnell mitgenommen. Das Unangenehme und Beschwerliche ist diesmal, dass wir 4 grosse, schwere Taschen mitschleppen. Aber es klappt und schon das dritte Auto bleibt stehen (hier kommt nur ca. alle 5 Minuten ein Auto vorbei). Unser Gepaeck kommt hinten auf die Ladeflaeche, wir vorne rein. Unterwegs haelt der Fahrer noch ein paarmal an, um noch einige Autostopper hinten auf die Ladeflaeche steigen zu lassen, oder sie wieder irgendwo abzusetzen. In Sabanits muss unser Fahrer dann in eine andere Richtung weiter und laedt uns bei der naechsten Busstation aus. Hier ist es einfach, weil etwa alle 10 Minuten aus irgendeiner Richtung ein Bus nach Colon vorbeikommt. So kommen wir nur 15 Minuten nach dem offiziellen Bus in Colon an. Von dort heisst es umsteigen auf den Expressbus nach Panama City. Schon knappe 2 Stunden spaeter sind wir am riesigen Busterminal angekommen. Die Busse in Panama City sind meistens total ueberfuellt, deshalb beschliessen wir mit einem Taxi weiter zu fahren, es gibt aber noch drei weitere Gruende. Erstens wollen wir noch einen schnellen Abstecher in die City machen um ein paar Mitbringsel einzukaufen, zweitens ist uns mit all unserem Gepaeck die Schlepperei von der Bushaltestelle beim Flughafen bis zum Flugterminal zu anstrengend, und drittens sind die Taxipreise hier noch erschwinglich, wenn man nicht vergisst vor Antritt der Fahrt den Preis auszuhandeln. Schon laeppische 8 Stunden nach unserer Abfahrt waren wir am Flughafen. Der Flug selber von Panama nach New York dauerte dann nur 5 Stunden.

Bevor wir todmuede um 0300 in der Frueh ins Bett fallen, erklaert uns Herta noch dass wir das Wort Urlaub diesmal vergessen koennen. Eine Menge Arbeit wartet auf uns.

Ende September, Anfang Oktober werden wir nach Oesterreich fliegen. Je nach dem wann wir einen guenstigen Flug bekommen. Wir planen fuer ca. 4 bis 6 Wochen unseren Aufenthalt. Unter anderem werden wir auch ein paar Lichbild Vortraege halten. Wenn also noch wer dabei ist, der Interesse hat auch einen Vortrag zu halten (Segelclubs usw.), bitte meldet Euch unter chisailing@yahoo.com damit wir eine Terminkoordinierung vornehmen koennen.
Mehr ueber unsere Zukunft dann naechste Woche.

Posted by chico @ 07:25 PM CST [Link] [No Comments]

Sunday, August 1, 2004

Sonntag, 1. August 2004

Von Segelfreunden haben wir erfahren, dass es in der Naehe von Colon einen Fluss gibt, den man mit dem Segelboot auf ueber 5 Meilen Laenge befahren kann. Das wollen wir uns unbedingt anschauen.
Wir machen uns auf den Weg und das, wovor wir gewarnt wurden trifft natuerlich prompt ein. Die Einfahrt in den Fluss wird immer wieder von Sandbaenken, die sich dauernd verschieben blockiert. Dies passiert, weil nach heftigen Regenfaellen, wenn der Gatun Lake zuviel Wasser hat, ein Damm geoeffnet wird und dann Millionen Kubikmeter von Wasser den Fluss raus rauschen. Dabei steigt der Wasserspiegel im Fluss um bis zu 3 Meter. Beim Zusammenprall von Fluss und Meer bilden sich Sandbaenke die sich immer wieder veraendern. Man sollte also nur bei ruhigem Wetter, ruhiger See und Sonnenschein zur Mittagszeit einlaufen, um alle Unterwasserhindernisse erkennen zu koennen. Bei uns war es bedeckt, 20 Knoten Wind, entsprechend Welle und Null Unterwassersicht. Wir haben zum Glueck ziemlich aktuelle GPS-Koordinaten. Aber auch hier stimmen die Tiefenangaben (mindestens 5 Meter wurden uns versprochen) nicht. Denn als die Tiefenangabe auf unserem Tiefenmesser nur mehr 1,2 Meter zeigt, werde ich nervoes. Wir bleiben trotzdem moeglichst genau auf Kurs und es geht alles gut. Die Tiefe nimmt wieder rapid zu.
Langsam gleiten wir in die uns unbekannte Dschungelwelt vor. Links und rechts gruene Waende aus wuchernden Pflanzen, Baeumen, Straeuchern. Der Wind laesst nach der ersten Flussbiegung nach, Stille kehrt ein. Nur mehr das gleichmaessige Surren unseres Motors ist zu hoeren. Dann sehen wir auch schon die ersten Voegel, einen riesigen Tucan, und viele uns unbekannte Arten. Wir ankern nach ca. 4 Seemeilen auf 10 Meter Wassertiefe in absoluter Stille. Soweit man beim Gebruell der Houler-Monkeys (Bruellaffen) von Stille reden kann. Wir denken an riesige Affen, doch wie wir ein paar Tage spaeter selber sehen sind diese Affen nur einen halben Meter gross, machen aber ein Geschrei als waeren sie 2 Meter.
Wir setzen uns ins Cockpit, mischen uns einen ordentlichen Sundowner, und lassen die neuen Eindruecke auf uns wirken. Es ist erstaunlich welche Artenvielfalt die Natur hervorzaubert. Vor ein paar Wochen waren wir in Panama City in einem Museum und haben uns ueber die Tiere des Dschungels ein wenig informiert. Und viele davon sehen oder hoeren wir jetzt live. Als am spaeteren Abend (so gegen halb neun) eine etwa 14cm grosse Flug-Cocoroach (Kuechenschabe) mit wunderschoener Zeichnung auf den Fluegeln, beiuns am Boot landet, machen wir dann das Licht aus um nicht noch mehr von den lieben Tierchen anzulocken.
Am naechsten Morgen beginnen wir die Nebenarme des Rio Chagres mit dem Dinghi zu erkunden. Langsam, fast behutsam, steuern wir unter dichtem Blattwerk in diese wunderbare Welt. Immer Ausschau haltend nach unbekannten versteckten Tieren, essbaren Pflanzen, Gemuese, Obst, was wir inzwischen halt so kennen. Den Grossteil der Strecke rudern wir um die Tiere nicht durch den Motor aufzuschrecken. Wir nehmen ein paar unbekannte (wie wir glauben Fruechte) mit, doch es ist leider nichts essbares dabei. Wir muessen noch viel lernen.
Wir wollen uns natuerlich auch den Damm anschauen, von wo immer wieder das Wasser des Gatun Lakes abgelassen wird. Als wir einen Steg am Ufer finden, machen wir das Dinghi fest und legen den Rest des Weges zu Fuss zurueck. Und was uns hier die Natur bietet ist unbeschreiblich. Wir kommen uns vor wie in einem Indiana Jones Film. Hier gab es auch bis vor einigen Jahren ein Ausbildungslager der amerikanischen Guerilla Kaempfer. Alle Freiwilligen die in den Dschungelkampf wollten (haha) mussten zuerst eine Grundausbildung hier in Panama am Rio Chagres durchlaufen. Abseits des begehbaren Weges sind noch vereinzelt Ruinen der Bunkerbauten zu sehen. Der Dschungel hat sich das meiste zurueck geholt. Heutzutage trainieren die Amis woanders. Schliesslich muessen sie jetzt den "Feind" in der Wueste niedermachen.
Als wir beim Damm ankommen, sehen wir rueber bis zur Gatun Schleuse, wo die grossen Schiffe dieser Erde die Abkuerzung durch den Panama Kanal nehmen. Wir beschliessen uns das anzuschauen und landen nach 5 Minuten in den Armen eines Sicherheitsbeamten, der uns vertreibt. Also gehen wir auf die Strasse und per Autostop gehts zur Schleuse. Am Rueckweg schuettet es wie aus Kuebeln. Wir halten einen vorbeifahrenden Bus auf der uns mitnimmt. Durchnaesst bis auf die Unterhose, mit der Machete bewaffnet steigen wir ein. Hier ist das normal, in Europa wuerde man damit sicher ein mittleres Problem bekommen. Wir sagen dem Fahrer wo wir raus wollen und ohne etwas bezahlen zu muessen, bringt uns der Bus zum angegebenen Spot. Alle maennlichen Businsassen haben ein Grinsen im Gesicht. Vielleicht war Elis T-Shirt doch etwas zu durchsichtig, naja was solls. Im stroemenden Regen geht es dann wieder zurueck durch den Urwald und zum Boot.
Ein neuer strahlend schoener Morgen. Der Urwald dampft, die Geraeusche werden uns allmaehlich vertraut. Ich will gerade ein Bad im Fluss nehmen, als ich kurz vor dem Reinspringen ein paar Meter hinter dem Boot ein Krokodil sehe. Ich brauche keine Erfrischung mehr, in Sekundenbruchteilen bin ich putzmunter. Das ca. 3 Meter lange Reptil schwimmt ums Boot und taucht dann weg. Wir haben von Krokodilen hier gehoert, aber haben die Geschichten nicht wirklich geglaubt. In Zukunft sind wir beim Schwimmen aeusserst vorsichtig, meist sind die Wasseraufenthalte auch sehr kurz. Einer von uns haelt immer Ausschau, ob nicht so ein liebes Tier des Weges kommt.

Nach 5 Tagen verlassen wir das Naturparadies und segeln zur Isola Linton.
Hier beginnen wir mit den Vorbereitungen fuer unseren naechsten Abschnitt. Darueber mehr in der naechsten Woche.

Posted by chico @ 09:17 AM CST [Link] [No Comments]


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