CHI ::: SAILING LOG
Monday, August 18, 2003
Montag 18. August 2003
...und plötzlich war es ganz still.
kein summen der computer und lüfter, kein rauschen der klimaanlagen, das telefon war tot. auf der anderen strassenseite, genau gegenüber von uns im 12. stock reisst jemand das fenster auf und schreit zu uns herüber ob wir auch keinen strom mehr haben. das ist der zeitpunkt wo wir realisieren dass es nicht nur eine sicherung rausgehaut hat. zumindest die ganze strasse hat keine elektrizität mehr. fernseher geht nicht, radio natürlich auch nicht. wir gehen zum nachbarn fragen ob er ein batteriebetriebenes radio hat. der ganze nordosten der usa - über 50 millionen menschen - sind ohne strom.
der verkehr ist zusammengebrochen, nur im schritttempo bewegen sich die autos. die leute strömen aus den hochhäusern. jeder will raus aus der stadt. für tausende gibt es keinen weg nach hause. die züge fahren nicht mehr, die u-bahn steht. nur die busse fahren noch. 600.000 menschen mit ein paar autobussen zu befördern, das dauert. parkplätze sind in new york mangelware und so gibt es überall auf kleinsten abstellflächen hebebühnen auf denen bis zu 5 autos übereinander geparkt sind. die, die oben stehen haben pech gehabt.
die meisten der top-hotels funktionieren nur mit keycard. jeder der nicht gerade im zimmer ist darf sich einen netten platz in der hotellobby suchen, viele müssen am gehsteig vor dem hotel übernachten.
wir sind für den abend zu einer party in einem restaurant eingeladen und als wir dort erscheinen ist alles fest verschlossen. angst vor überfällen und angst ausgeraubt zu werden wie beim letzten stromausfall vor 25 jahren macht sich breit.
aber sehr viele menschen in new york haben sich seit dem 11. september 2001 verändert. man versucht sich gegenseitig zu helfen, die menschen reden miteinander, fragen ob alles ok ist. auf unserem weg zurück von der nicht stattgefundenen party kommen wir an einem grossen lebensmittelmarkt vorbei. köstliches eis wird verteilt, danach kommen die angestellten mit einkaufswagen voll milch, yoghurt, aufstrichen, kühlgetränken, und, und, und... alles leicht verderbliche kühlgut wird gratis an die passanten ausgegeben. in den 99cent stores sind inzwischen taschenlampen, kerzen, kleine batterieradios und batterien ausverkauft.
es gibt natürlich auch schwarze schafe die die situation ausgenutzt haben. so wurde von taxifahrern berichtet die für eine kurze fahrt 120,-- (statt 5,--) verlangt und auch gekriegt haben, oder ein geschäft bei dem kerzen plötzlich 13,-- dollar statt 50 cent gekostet haben. aber das waren die ausnahmen.
am schlimmsten hat es all jene erwischt die gerade in der u-bahn oder in einem lift waren. unser freund paul hat riesen glück gehabt. er ist 3 minuten vor dem ausfall aus der u-bahn ausgestiegen, zum haus gegangen und hatte einen fuss bereits im lift als der strom weg war. andere mit weniger glück waren teils stundenlang im lift oder irgendwo unter der erde im finsteren gefangen, mussten warten und hoffen dass möglichst bald hilfe kommt.
27 stunden hat es gedauert bis wir wieder die uns allen so vertraute elektrizität zurück hatten. jubel auf den strassen, beifall und freudentaumel. für viele war es das schlimmste dass sie einen ganzen heissen tag lang ohne klimaanlage auskommen mussten. für manche war es auch nur ein verlängertes wochenende, denn der freitag wurde als snowday bezeichnet. das ist so wie wenn es im winter schneit, der verkehr zusammenbricht, und die leute frei bekommen - unbezahlt natürlich.
auch wenn wir schon über ein jahr von zu hause fort sind, erfahren wir doch die neuesten trends stets aus erster hand. ein zeitungsartikel über eine chilli-schokolade veranlasste uns sofort in grieskirchen bei der konditorei haslberger anzurufen und welche zu ordern. und die werbeversprechungen waren nicht übertrieben. eine woche nach dem anruf, hatten wir die schärfste versuchung seit es schokolade gibt in der hand, sprich mund. wir sagen nur - selbst probieren, ein wahnsinn. office@haslberger.at oder 07248-62563
Posted by chico @ 07:53 AM CST [Link] [1 Comment]
Tuesday, August 12, 2003
Dienstag 12. August 2003
Wir fangen allmählich wieder mit den vorbereitungen für die weiterfahrt an. diese woche wurde ein neues vorsegel bestellt. das alte hatte schon zu viele reperaturen, stand nicht mehr ordentlich und einige weitere risse, vor allem am unterliek durch das einrollen unter hoher belastung, hätten ein überleben des segels bis australien sicher nicht garantiert. und bis australien ist es ungefähr doppelt so weit wie wir bisher gesegelt sind. ein defekter aussenlautsprecher wurde ausgetauscht damit der sound im cockpit wieder stimmt.
ebenso wurde stoff und textilfarben gekauft. wir werden uns nähmlich in zukunft die fahnen der einzelnen länder in die wir kommen selber nähen und bemalen. erstens wissen wir nicht genau wo wir überall hinkommen, zweitens kommt in summe aller fahnen auch ein ordentlicher betrag zusammen und drittens ist flaggenmalen ein angenehmer zeitvertreib bei den überfahrten.
ein neues ankerlicht wurde angeschafft. nicht aus dem maritimen handel, sondern aus der gartenabteilung einer großen ladenhauskette. wir haben uns solarlampen für den garten gekauft. die sind spritzwasserdicht, laden sich am tag durch die sonne auf und wenn man sie zum ankern nachts braucht werden sie eingeschaltet und rausgehängt. so verbrauchen wir keinen batteriestrom. bis jetzt haben wir fast nie das ankerlicht eingeschaltet, in zukunft wollen wir ein wenig mehr nach vorschrift unterwegs sein - vielleicht. natürlich ist das licht auch hervorragend als cockpitbeleuchtung einsetzbar.
am meisten sorgen macht uns im moment noch einen guten, halbwegs preiswerten aluminium schweisser aufzutreiben. wir wollen uns ein fixes biminidach, das auch während des segelns aufgespannt ist, gegen die tropische, sehr intensive sonne installieren. wir sind sicher dass wir auch hier eine lösung finden werden.
was wir noch dringend bräuchten wäre eine gebrauchte kurzwellenanlage. damit könnten wir dann überall und fast jederzeit wetterberichte und interessante informationen die über diverse funkrunden der amateurfunker ausgestrahlt werden mithören. falls jemand eine solche anlage günstig abgeben will oder jemand weiss der eine verkaufen will, bitte melden unter chi@aon.at
in new york hat uns feng shui fest in seinen krallen.
wir gestalten derzeit hertas büro (elenas schwester) nach den richtlinien von feng shui neu aus. dazu haben wir wände nieder gerissen (macht viel spass), andere wände aufgebaut (macht weniger spass), ausgemalt, tische umgestellt und umgestaltet usw....
diese wissen über feng shui stammt natürlich nicht von uns, sondern eine österreichische feng shui beraterin (marion.muehlboeck@kuehne-nagel.com) hat anhand von genauen plänen und fotos des büros die entsprechenden vorgaben gemacht.
eine kleine genugtuung für alle zuhause - das wetter hier spielt ziemlich verrückt. in new york ist der kälteste und verregnetste sommer seit 30 jahren. im gegensatz zu europa.