CHI ::: SAILING LOG

Freitag, 25. Juni 2004

Genau 2 Jahre und 2 Tage hat es gedauert bis wir diese Woche den ersten oesterreichischen Cruiser getroffen haben. Laufend wurden wir mit Fragen konfrontiert ob wir diese oder jene Oesterreicher getroffen haetten, aber nie, nie waren andere gleichzeitig mit uns auf dem selben Ankerplatz. Natuerlich hatten wir andere Segler aus Oesterreich schon vorher getroffen, aber immer waren es Chartercrews und niemals Langzeitsegler. Roman ist aus Wien und bereits mit 19 nach Deutschland ausgewandert und sich dort sein Geld verdient hat. Er ist mit einem Eigenbau Wharram Katamaran unterwegs. Bauzeit 9 Jahre (statt 5 wie geplant).

Ja, seit ueber 2 Jahren sind wir jetzt schon weg von zu Hause. Und wenn wir ein ultra kurzes Resumee machen sollen, koennen wir nur sagen - die beste Entscheidung unseres Lebens auf den Trip zu gehen. Es ist nicht immer einfach, oft sogar beinhart, manchmal auch mit Angst um uns und das Schiff gemischt, aber alles in allem wunderschoen.

Im Moment ist Eli stark behindert. Sie hat eine - wie wir glauben - Schleimbeutelentzuendung am Gelenk des Zeigefingers der rechten Hand. Das heisst sie kann nichts greifen, nirgends zupacken, nicht mal den Abwasch machen. Schon wieder harte Zeiten fuer mich. Wir hoffen dass wir die richtige Diagnose gestellt haben. Aber laut unserem grossen, dicken Doktorbuch muesste es stimmen.
Auf der Innenseite der Hand genau beim Knoechel ist eine Schwellung, bei Druck oder Bewegung hat sie Schmerzen, es ist keine aeussere Verletzung feststellbar. Aus einem Aluminium Flacheisen habe ich ihr eine Schiene gebogen, genau in der Form in der Eli die geringsten Schmerzen hat. Das ganze unterlegt mit einem weich gepolsterten Kunstleder unserer Schiffs Innenverkleidung, und darueber ein massgeschneiderter Fingerschutz aus einem Moskitonetz, damit das ganze eine ordentliche Durchlueftung hat. Somit ist der Finger ruhig gestellt und kaum mehr zu bewegen. Behandelt wird mit Voltaren Salbe. Falls einer der Aerzte die unsere Seite verfolgen einen besseren Vorschlag hat, bitte melden.

Eine wichtige Neuerung ist an Bord eingezogen. Wir haben jetzt Verbindung zum Rest der Welt. Wer also Sehnsucht nach uns hat, Eli gute Besserung wuenschen will, Anfragen hat, oder einfach nur mit uns plaudern will, kann uns unter der Tel. Nummer
00 8816 214 218 70
jederzeit erreichen. Bitte die Zeitverschiebung beachten. In Europa ist die Zeit um 7 Stunden voraus, und in der Nacht schalten wir das Telefon ab. Wenn es also bei Euch 2000 Uhr abends ist, so haben wir gerade mal 1300 Uhr.

Posted by chico @ 10:16 AM CST [Link] [No Comments]

Thursday, June 3, 2004

Donnerstag 2. Juni 2004

Fast 3 Monate waren wir jetzt im Paradies. Aber irgendwann muss man wieder in die Zivilisation zurueck. Und wenn es nur aus so banalen Gruenden ist wie, groessere Mengen Lebensmittel einkaufen, Klopapier oder aehnliche lebensnotwendige Dinge besorgen. Der Vorteil nach der Abstinenz von Strom, Telefon, Autos und Internet, wir koennen endlich die ganzen liegen gebliebenen und unbeantworteten emails aufarbeiten und wieder einen neuen Eintrag schreiben.

Vor kurzem war Hochbetrieb auf unserem Schiff. 9 Leute an Bord zu einem Sushi Kurs. Ja, richtig gelesen, ein Kurs zum Thema "wie mache ich Sushi". Elena und ihre Schwester, die zu einem Kurzbesuch eingeflogen ist, waren in ihrem Element. Und es war ein Heidenspass fuer alle. Man kann sich kaum vorstellen welche unfoermigen, zerbroeselnden Dinger dabei produziert wurden. Pech fuer alle, dass die Produkte selbst gegessen, oder zumindest dem jeweiligen Partner auf das Schiff mitgenommen werden mussten. Vom Geschmack bleibt es ja fast egal wie das Ding aussieht, aber die Optik... und der Mensch isst ja schliesslich auch mit den Augen.

Ein Ereignis der ganz besonderen und sehr seltenen Art, fand am 7 Mai statt. Eine Hochzeit in den East Coco Banderos. Das ist eine kleine Inselgruppe aus 6 Inseln bestehend. Und ein deutsches Paar, Katrin und Reinhard, hatten sich in den Kopf gesetzt, ausgerechnet hier , abgeschieden von der ganzen Welt, sich das Ja-Wort zu geben. Die ganze buerokratische Vorarbeit war, wie man sich vorstellen kann, nicht ganz einfach zu meistern. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Ein Richter wurde aus Panama eingeflogen. Das Hochzeitsmal wurde von dem am naechsten gelegenen Ort am Festland mit Kanus geliefert (alles natuerlich ein bisschen anders als zu Hause, aber sehr romantisch). Mit einem Segel wurde ein Unterstand gebaut (falls Regen kommt), ein Tisch, ein paar Sessel und schon konnte es losgehen. Und der panamesische Richter war voll in seinem Element. Der Mann liebt seinen Job. Eineinhalb Stunden lang erklaerte er den beiden Brautleuten (43 und 66 Jahre) und den Trauzeugen was Sie tun duerfen und was sie lieber lassen sollten. Immer laechelnd und sehr, sehr liebenswuerdig. D ganze natuerlich auf spanisch. Das Ereignis hat sich ueber Funk schnell herum gesprochen und alle die in der Naehe waren und das Brautpaar kannten, kamen schnell vorbei. So waren schliesslich fast 30 Leute bei einer sehr stimmungsvollen Feier. Die Braut kam am Vorabend bei uns kurz vorbei und so musste Eli innerhalb weniger Stunden noch ein kleines Kunstwerk fuer den Braeutigam zaubern. Puenktlich 2 Minuten vor Beginn der Zeremonie war der Anhaenger auch fertig.

Bis vor einer Woche waren wir offiziell noch gar nicht hier. Da niemand kontrolliert, klariert auch keiner frueher ein als unbedingt notwendig. Fuer uns war es Zeit hierher nach Porto Belo zu segeln. Und hier kann es immer passieren dass die Behoerden die Papiere sehen wollen und in solchen Faellen ist es sehr ratsam, man hat die Formalitaeten hinter sich gebracht. Das spart sofort 500 Dollar. Schlauerweise sind wir aber nicht nach Colon, sondern haben noch in de San Blas, in El Porvenir, einklariert. Kaum hatten wir vor den offiziellen Gebaeuden unseren Anker in den Sand geschmissen, schon wurden wir von 5 Kanus, mit insgesamt 14 Frauen belagert. Und alle witterten das grosse Geschaeft. Sie draengten sich mit Ihren randvoll mit Molas angefuellten Kuebeln an Bord, und hinterliessen einen ungeheuren Saustall. Ein paar Kilo Sand hatten wir zu entfernen und eine mittlere Grossreinigung brachten wieder Glanz in unsere Huette. Das Einklarieren selbst war dann nur ein Klacks dagegen. Anstatt eine geringe Strafe zu zahlen, wurde das ganze sogar um $ 30,-- billiger als erwartet. Da wir ja unsere letzten Ausreisepapiere von Anfang Maerz aus Jamaica hatten, vermuteten wir eine kleine Strafe wird faellig werden. Aber siehe da, nichts. Anscheinend wusste der Beamte nicht so genau wo Jamaica liegt und wie lange man von dort zu den San Blas braucht. Auch gut.

Im Moment ist hier Regenzeit. Das heisst an einem normalen Tag muss man mit 1 - 3 Stunden mehr oder weniger heftigen Regen rechnen. Fuer uns ist es das erste Mal seit sehr, sehr langer Zeit, dass wir nicht ueber Wasser nachzudenken brauchen. Wir sammeln fast jeden Tag ueber unser Bimini Dach das Wasser (heute Vvormittag ca. 200 Liter). Wir verwenden zur Zeit sogar Suesswasser zum Abwaschen und koennen jeden Tag mit Suess- statt mit Salzwasser duschen. Und ohne schlechtes Gewissen. Aber glaubt mir, es ist ungewohnt. So wie zu Hause den Wasserhahn einfach aufzudrehen und es ist egal wenn es laeuft. Man hat jeden Tag genug Wasser.
Ihr seht mit wie wenig man schon gluecklich sein kann, wen man es nicht anders gewoehnt ist.

Posted by chico @ 12:51 PM CST [Link] [2 comments]


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