CHI ::: SAILING LOG

Saturday, June 21, 2003

samstag 21. juni 2003


geschutzdonner von vorne, maschinengewehrsalven von links, kampfhubschrauber bestueckt mit lenkraketen die uns fast den mast abreissen, soldaten geschminkt?? mit sumpfgras und schuhcreme tauchen am ufer auf, kampfpanzer mit raketenwerfern.
wo sind wir da hingeraten???
direkt neben dem intracoastal waterway haben wir unseren anker auf 2 meter wassertiefe in absolut ruhigem, bestens geschuetztem wasser in einer kleinen bucht runtergelassen. kurz nach dem wir das licht geloescht und uns schlafen gelegt haben, bricht auf einmal der krieg aus. die amis brauchen anscheinend die schiesserei. nachdem sie im irak damit aufgehoert haben, machen sie halt zu hause weiter. am liebsten waere ich an land gerudert und haette die jungs gefragt ob sie uns nicht ein paar von ihren wunderbaren, langsam an fallschirmen zu boden sinkenden, superhell scheinenden leuchtraketen schenken. aber die angst war dann doch ein wenig zu gross. wer weiss, vielleicht waere ich dann als spion verhaftet worden. schliesslich braucht jeder angriff seine opfer und ein kriegsgefangener - auch wenn es nur eine uebung ist - ist immer super.
am naechsten morgen sehen wir uns die detailkarte etwas genauer an und entdecken auch den hinweis dass wir mitten in einem militaerischen uebunsgebiet geankert haben. wer schaut schon so genau? und schliesslich war das ankern dort nicht verboten. nach 2 stunden krachen und donnern, laerm ohne ende, rauch, schreierei und schiesserei war die abendvorstellung zu ende. wozu brauchen wir einen fernseher oder kino? live your life life. das ist unser motto.

elisabeth city, wo wir uns im moment aufhalten, ist eine stadt mit ganz besonderen traditionen. erstens gibt es hier einen steg fuer gastyachten, wo man kostenlos anlegen kann. eine angenehme sache fuer uns. man muss nicht jedesmal das dingi ins wasser geben und an land rudern oder motoren, sondern kann eben direkt vom boot an land gehen. das haben wir nicht allzu oft.
zweitens gibt es hier die "rose buddys". frueher 2 jetzt nur mehr 1 aelterer herr (89 jahre), der alle ankommenden am steg begruesst und zu einer kleinen party im garten seines hauses einlaedt. ein treffen fuer alle neuankoemmlinge und man kann sehr leicht kontakte zu anderen yachties herstellen deren boote man schon gesehen hat, aber es hat sich halt nie eine gelegenheit ergeben miteinander zu sprechen. so kommen wir immer wieder zu informationen ueber land, leute, internetcafes, geschaefte, tankstelle, waescherei und was man so braucht, sowie ueber beste routen, besonderheiten, worauf man aufpassen muss usw. dort gibt es ein paar getraenke und kleinigkeiten zum knabbern und die damen erhalten eine rose. daher der name "rose buddy".

morgen werden wir unsere erste schleuse in angriff nehmen. wir sind ein wenig aufgeregt. wir muessen uns ganz genau nach den oeffnungszeiten richten, weil es davor keine ankermoeglichkeit oder anlegestelle zum warten gibt. und die schleuse wartet nicht. die schliesst und oeffnet genau nach den vorgegebenen zeiten. kommt man zur falschen zeit dann heisst es im schlimmsten fall zwei stunden lang kringel drehen. na gute nacht.

Posted by chico @ 09:02 AM CST [Link]

Wednesday, June 11, 2003

Mittwoch 11. juni 2003


seit freitag sind wir in dem wunderschoenen, alten ort charleston in south carolina. hier bemuehen sich alle den ort so aussehen zu lassen wie er vor ein paar hundert jahren von den gruendern gebaut wurde. leider entsteht dabei auch einiges an kitsch, aber sie versuchen es immerhin. so gibt es hier fuer 3,-- us$ ein tagesticket mit einer buslinie die den ganzen stadtbereich abdeckt, etwa gleich gross wie salzburg. die busse sind modernster standard allerdings aussen mit richtigen holzverkleidungen und verschnoerkelten verzierungen. alles sehr, sehr stilecht - nur welcher stil ??? neuamerikanisch?? altsouthcarolinisch?? wir haben es noch nicht herausgefunden. ist uns eigentlich auch schnurzegal.

auf der fahrt hierher war das wetter nicht immer auf unserer seite. mitten im sumpf von georgia, wo man stundenlang nichts als sumpfgras und wasserstrasse sieht, hatten wir gegenwind mit boen bis ueber 35 knoten. das ist der zeitpunkt wo unser motor an seine leistungsgrenzen kommt. zum glueck konnte elena aus den ankerplatzbeschreibungen des intracoastal waterways ein kleines fischernest, nur etwa eine meile abseits der wasserstrasse ausmachen. wir aenderten an der naechsten abzweigung unseren kurs, mussten aber ohne karte sehr vorsichtig fahren. das wasser im icw ist so trueb dass man nicht einmal 10 cm tief sieht, also auf sicht fahren wie in der karibik oder den bahamas gibts hier nicht. hoechstens nach tiefenmesser das ist aber eine gefaehrliche sache. nach der abzweigung war die gegenstroemung so stark dass wir in den windboen nach hinten getrieben wurden anstatt fahrt voraus zu machen. wir versuchten ganz nahe am ufer zu fahren um wenigstens einen hauch von windschutz durch das gras zu haben. nach einer stunde konnten wir den anker dann in einem mini nest ohne namen hinter einer gut schuetzenden baumgruppe werfen. und die leute die wir dort getroffen haben sind einfach sagenhaft nett. wir fragten wo wir benzin bekommen koennen, worauf uns der gute mann gleich in seinen truck setzte, zur naechsten tankstelle fuhr, 3 meilen, danach weiter in den naechsten supermarkt, nocheinmal 3 meilen, und wieder retour. fuer den naechsten tag gabs dann gleich eine einladung zu ein paar margaritas und dann fuer den abend zu einem netten essen. falls wir am rueckweg im november zufaellig am thanksgivingtag in der naehe sind sollen wir uns bei ihnen wieder melden und sind gerne auch noch dazu eingeladen. thanksgiving ist so ziemlich der groesste familienfeiertag in amerika und es ist eine besondere ehre wenn man dazu eingeladen wird.
2 tage spaeter gings weiter. beim uebrqueren eines grossen inlets sehen wir hinter uns eine schwarze wand heraufziehen. nach den erfahrungen auf den bahamas wurde das vorsegel sofort eingerollt und die schlechtwetterkleidung bereitgelegt. 2 minuten spaeter gings schon los. der wind nimmt zu, immer mehr, regen setzt ein, der regen kommt allmaehlich waagrecht, man kann sich nicht mehr verstaendigen, auch schreien hat keinen sinn, es ist zu laut beim bruellen des windes mit weit ueber 50 knoten und dem prasseln der regenfluten. der motor laeuft auf vollgas, geschwindigkeit etwa 0,5 - 1 knoten. das heisst wir stehen fast auf der stelle, zum glueck ist die windrichtung halbwegs guenstig fuer uns. das aendert sich aber auch nach 10 minuten. der fahrtbereich in dem wir uns bewegen koennen ist etwa 300 meter breit, danach sitz man im besten fall irgendwo im sumpf, im schlechtesten fall auf felsen. wenn das passiert koennen wir uns ein neues zuhause suchen. 30 meter voraus sehe ich einen der vielen wegmarkierungen. aus der karte weiss ich dass wir rundherum ca. 100 meter platz haben und ich versuche alle sum in der unmittelbaren naehe des schildes zu bleiben. gerade als ich richtung offenes meer abdrehen will weil ich das schiff nicht mehr halten kann laesst der wind ein wenig nach. ich weiss nicht ob wir es bis zum freien wasser geschafft haetten. der weg ist zu schmal und je weiter man raus kommt umso groesser werden die wellen die uns wieder in eine nicht gewollte richtung treiben koennen. wir habens wieder einmal ohne schaden geschafft.
als wir am freitag in charleston angekommen sind haben wir ein englisches ehepaar getroffen. die beiden waren gerade auf ihrem weg von den bahamas direkt nach charleston als sie der gewittersturm der schon uns die probleme bereitet hatte, mitten am offenen meer in der nacht ueberrascht. und die beiden hat es voll erwischt. 2 blitzeinschlaege, die gesamte elektrik und vor allem die gesamte elektronik kaputt. bei denen geht nichts mehr am schiff was irgendwo in der naehe eines elektrokabels verlaeuft. schaden ca. 18.000,-- bis 20.000,-- us$. sie selbst hatten glueck ihnen ist nichts passiert. er hat jetzt allerdings graue haare.
wir warten inzwischen auf den rigger. heute nachmittag soll das ersatzteil fuer unsere angebrochene want geliefert und morgen soll dann die neue want montiert werden. hoffen wir dass es so ist. charleston ist zwar sehr schoen, aber eine woche aufenthalt ist genug.

Posted by chico @ 09:03 AM CST [Link]


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