CHI ::: SAILING LOG
Immer wieder werden wir gefragt – was macht ihr eigentlich den ganzen Tag? Sitzt ihr nur auf eurem Boot und schaut blöd auf die Palmeninsel und den Sandstrand neben euch? Ist das nicht schrecklich langweilig? Jeder der so denkt sollte wohl besser zu Hause bleiben und sich vor seinen Fernseher setzen und sich die selben Fragen stellen. Was wir hier machen ist vor allem mit und in der Natur leben.
Wenn ich morgens beim ersten Tageslicht, also ca. 06:30 aufstehe, meinen Bootsrundgang mache und alles kontrolliere, kommen meistens schon die ersten Kuna Indianer angesegelt oder gerudert. Sie machen ihr Cajuco an der Insel fest und bereiten ihr Netz für den Köderfang vor. Dieses Netz ist so ca. 1,4 x 3 Meter groß und wird zwischen 2 Stangen eingespannt. Die Kunas gehen langsam den Strand entlang auf der Suche nach kleinen Köderfischen, so vielleicht 3 – 5 cm groß, um damit dann tagsüber zu angeln. Sobald sie einen Schwarm dieser kleinen Fische, die sich immer in Ufernähe aufhalten, gesichtet haben, schleichen sie langsam ins Wasser. Das Netz wird an den Stangen zwischen den Kunas gespannt und ins Wasser gehalten. Einer der beiden schmeißt ein Stück Holz oder eine Kokosnuss hinter die Fische. In ihrer Panik schwimmen sie einfach in irgendeine Richtung, Hauptsache weg von dem ins Wasser platschenden Gegenstand. Natur gemäß schwimmen dann eine ganze Menge von Ihnen auch ins Netz der Kunas. Dann heißt es nur noch das Netz schnell genug aus dem Wasser reißen, damit die Köderfische nicht wieder fliehen können. Sobald sie dann eine große Schüssel kleiner Fische haben, machen sie sich in ihrem Cajuco auf den Weg zu ihren bevorzugten Angelplätzen.
Während die Kunas ihre Vorbereitungen für den Tag treffen, versuche ich das Selbe für uns – und das heißt Frühstück machen. Und zu einem Frühstück gehört Brot dazu, zumindest für die nicht Koerndlesser. Brot kriegt man zwar hier auch zu kaufen, es hält sich auch im Kühlschrank selten länger als 3 Tage. Entweder man hat nun eine Gefriertruhe, in der man eine große Menge einfrieren kann, man segelt alle 3 Tage in das nächste Dorf, oder man bäckt sich eben das Brot selber. Da wir keine Gefriertruhe haben, das Versorgungsboot nicht regelmaessig kommt und wir keinerlei Lust haben alle paar Tage in ein Dorf zu segeln nur um Brot zu kaufen, backen wir es selber. Der Brotteig ist keine große Kunst. Ein halbes Kilo weißes und Vollkorn Mehl , 2 Essloeffel Roggenmehl, Trockenhefe (Germ), Salz, Zucker, Wasser. Dieses Grundrezept kann man selbstverständlich dann variieren mit Gewürzen, Nuessen (falls man hat) Ei, usw. Eli hat am Anfang viele, viele Versuche gemacht, bis sie herausgefunden hat, wie man das Brot auch ohne Backrohr machen kann. Es gibt selbstverständlich im Handel Spezialpfannen zu kaufen. Diese brauchen aber viel Platz, sind schwer, sauteuer und das Brot wird auch nicht besser als unseres. Das Geheimnis eines guten Brotes in der Pfanne liegt in 2 Punkten. Es muss eine Pfanne mit dickem Boden sein, damit er die Wärme gut speichern kann und der Deckel darf nicht passen. Er muss groesser als die Pfanne sein. Wozu?? Nun, beim Kochen oder backen auf einem Ofen entsteht Wärme. Durch diese Wärme entweicht die Feuchtigkeit aus dem Brotteig, steigt also in Form von Dampf in der Pfanne auf. Wenn der Deckel nun passt, kondensiert dieser Dampf an der Innenseite des Deckels und rinnt wieder in die Pfanne, bzw. in den Teig zurück. Ein fast endloser Kreislauf und das Brot wird nie wie Brot werden. Wenn der Deckel aber zu groß ist, also nicht schließt, kann der kondensierte Dampf an der Innenseite des Deckels abrinnen, aber eben nicht zurück in die Pfanne, sondern nach außen. Der Teig wird so lange geknetet bis er eine gute, zähe Konsistenz hat. Das dauert so 5 – 10 Minuten und ist ein perfektes Training für die Finger- und Unterarmmuskeln. Wenn wir das Brot tagsüber machen kommt es in eine Schüssel und wird nach 2 Stunden noch mal durchgeknetet, bevor es in die gefettete und gestaubte Pfanne kommt. In letzter Zeit sind wir allerdings dazu über gegangen den Teig am Abend vor dem Schlafen gehen vorzubereiten. Dann kommt der Teig nicht in die Schüssel zum rasten, sondern sofort in die Pfanne. Diese wird mit einem Küchentuch zugedeckt und bleibt dann über Nacht so stehen. Da ist der Teig zwar nur einmal geknetet, dafür kann er die ganze Nacht gehen. Das Resultat ist so gut wie das selbe. Steht die Pfanne endlich am Herd wir sie auf dem groessten Brenner mit der kleinstmöglichen Hitze für nur 10 Minuten erwärmt. Danach abgeschaltet und 20 Minuten Pause. Nach der Pause wird das halbfertige Brot umgedreht und auf der anderen Seite noch mal für 10 Minuten auf kleinster Flamme erhitzt. Noch mal 20 Minuten warten und ofenfrisches Brot steht am Tisch.
Der groesste Vorteil an unserem selbstgebackenen Brot liegt sicherlich in der unendlichen Vielfalt von Geschmacksvariationen die man je nach Lust und Laune hineinzaubern kann. Ein wenig Chili Pulver rein und man kriegt ein sagenhaft scharfes Brot, Sonnenblumenkerne, Nüsse, und, und, und. Eine riesige Palette an Möglichkeiten. Schwieriger ist es schon mit dem Mehl. Es gibt zwar überall Mehl zu kaufen, aber trotzdem ist es anders als zu Hause. Kauft man Mehl in einem österreichischen Supermarkt, kann man davon ausgehen, dass seit der Herstellung höchstens ein paar Wochen vergangen sind. Hier jedoch wird das Mehl nicht einzeln kiloweise verpackt, sondern die Läden haben es in großen Säcken aus denen die jeweils gewünschte Menge geschaufelt wird. Wie lange der Sack schon beim Händler liegt weiß niemand. Die Folge sind sehr oft Maden, Würmer und Käfer. Für die Lösung dieses Problems gibt es 2 Möglichkeiten. Erstens: Augen zu und alles essen, es sind ja nur Proteine. Oder zweitens: Das Mehl aussieben. Wenn wir also Mehl kaufen wird es gesiebt und kommt dann in ehemalige 5 Liter Wasserkanister. Die sind aus Plastik und dick genug dass sich irgendwelche Käfer, Kakerlaken oder was immer man sich vielleicht aufs Boot holen könnte, nicht durchfressen. Nur als Randbemerkung, unseres Wissens haben wir keine Kakerlaken an Bord, aber so was kann täglich passieren ohne dass man es merkt. Es gibt Sorten die fliegen bis zu fünfzig Meter weit (hatten wir im Rio Chagres, ein 13 cm großes Exemplar), oder man kauft eine Bananenstaude und irgendwo dazwischen hat man eine übersehen. Es werden bei uns grundsätzlich alle Einkäufe bevor sie an Bord kommen genauestens geprüft – auch zwischen den Bierdosen haben wir die Viecher schon gefunden. Im Moment kämpfen wir gegen mini Ameisen, die Tiere sind nur 1 bis 2 Millimeter groß, sehr flink und wir sehen sie überall am Boot, natürlich hauptsächlich in der Küche. Leider sind wir noch nicht dahinter gekommen wo sie ihr Nest haben und Gift wollen wir keines versprühen, Proteine, was soll’s.
Posted by chico @ 03:24 PM CST [Link] [No Comments]