CHI ::: SAILING LOG
Nach 41 Tagen haben wir den Anker wieder gehoben. Sandig, ein wenig veralgt aber willig ließ er sich an Bord ziehen. Lange blieb er allerdings nicht an Deck liegen. Nur 7 Seemeilen später platschte er wieder ins türkise, klare Wasser. Green Island, oder Canirtupo wie diese Insel in der Kuna Sprache heißt, hat uns hier hergelockt, weil andere Segler von einem 4 Meter langen Caiman Alligator sprachen, der sich hier herumtreiben soll. Wir haben ihn bis heute noch nicht entdeckt - Gott sei dank. Eigentlich möchte ich ihm während des Schnorchelns nicht begegnen, obwohl irgendwie interessant muss es schon sein. Falls er nicht gerade hungrig ist.
Was treiben wir hier die ganze Zeit? Wird sich der eine oder andere fragen. Ein typischer Tagesablauf sieht ungefähr so aus: Aufstehen ab 0630 in der Frühe, früher geht es nicht weil es finster ist. Fruehstueck machen und Morgentraining (meist nur Elena) so ca. 20 bis 50 Minuten. Ein wenig schwimmen gehen zur Erfrischung, danach wird mit den anfallenden Arbeiten am Boot angefangen. So unglaublich es klingt, aber irgendeine Kleinigkeit gibt es immer zu tun. Dann wird es auch schon Zeit fürs Mittagessen. Am Nachmittag versuchen wir entweder Fisch, Lobster, Conch Muscheln oder Krabben zu fangen. Schauen bei anderen Booten vorbei ob irgendwas ansteht, Beachparty, Trashmeeting. Es werden neueste Informationen betreffend das Wetter, Überfälle auf Boote, Veranstaltungen in der Nähe, und ein wenig Klatsch und Tratsch ausgetauscht. Der gefangene Fisch muss dann natürlich noch zum Essen vorbereitet werden. Am Abend trifft man sich entweder auf irgendeinem der Boote, liest in einem Buch, manchmal hat einer eine neue DVD dann gibt's Fernsehabend (absolute Ausnahme). Meistens wird bald schlafen gegangen, so gegen 2000 nur sehr selten sind wir länger als bis 2130 auf. Jeder ist immer darauf bedacht Strom zu sparen. Was nicht über die Solaranlage oder den Windgenerator an Strom gewonnen wird, kann nicht verbraucht werden. Und für uns gibt es keine Alternative. Mit dem Außenbordmotor können wir keinen Strom erzeugen.
Klingt gnadenlos langweilig so ein Tag. Zum Beispiel Fische fangen ist nicht gleich Fische fangen. Wir waren dieser Tage mit einem französischen Profifischer unterwegs. Der hat uns mal gezeigt wie man mit der Harpune umgeht. Philippe geht runter auf 7 - 8 Meter, klemmt sich an eine Koralle und wartet auf einen Fisch. Kurz bevor ihm die Luft ausgeht dann wieder rauf und wieder runter. Das ganze jeden Tag so 1 ? - 2 Stunden. Extrem anstrengend, aber auch erfolgreich. So kommt er selten mit weniger als 5 Fischen in ordentlicher Groesse nach Hause. Davon sind wir noch ein gutes Stück entfernt, aber Übung macht's halt. Nicht dass wir nicht auch öfter 5 Fische schießen, aber die Groesse
Zwischendurch kommen immer wieder Kanus mit Kunas vorbei. Sie wollen entweder Molas verkaufen, oder manchmal haben sie auch ein wenig Obst oder Gemüse - Karotten, Gurken, Tomaten, Ananas, Melonen, Mangos, Paprika, Kraut, oder vielleicht sogar ein Hühnchen und ein paar Eier mit. Molas, das sind wunderbar gearbeitete, meist sehr bunte Stickereiarbeiten, die die Frauen in den Dörfern herstellen. Sie sind weltbekannt, werden nur in dieser Gegend hergestellt und sind sehr begehrt. Da kommt es dann schon vor dass 4 Indianerinnen mit hunderten Molas überall verteilt, an Bord sitzen. Eli hat noch immer die Geduld sich durch all das Zeugs zu arbeiten. Ich verdrücke mich lieber wenn sie auftauchen. Am Anfang ist es ja ganz interessant, aber im Lauf der Zeit
Ein wirkliches Problem hier sind die Seekarten. Die stimmen nämlich nicht. Weder die herkömmlichen Papierkarten, noch die elektronischen Seekarten. Man ist immer so 200 bis 300 Meter daneben. Und die Anzahle der Riffe zwischen denen man durch muss ist enorm. Nur bei Sonnenschein, mit der Sonne im Rücken oder von der Seite ist es möglich hier ungeschoren durchzukommen. Nur so kann man die Flachstellen oder die immer wieder vereinzelten Korallenköpfe, die in der Route liegen erkennen. Keiner wagt es hier sich nur auf die Karten zu verlassen. Eyeball Navigation ist oberstes Gebot.
Es wird noch ca. 2 Wochen dauern, dann haben wir die technische Möglichkeit wieder öfter Einträge auf unsere Website zu machen. Hier auf den San Blas Inseln gibt es nichts was irgendwie nach technischem Fortschritt ausschaut. Abgesehen von dem einen oder anderen Außenborder auf den Eingeborenen Kanus. Hier gibt es keinen Strom, natürlich keine Computer und kein Internet. Seid uns nicht böse dass wir schon so lange nichts von uns hören ließen und keine emails beantwortet haben. Das wird sich in ein paar Wochen wieder ändern.
Bis dahin hasta luego
Posted by chico @ 05:38 AM CST [Link] [No Comments]