CHI ::: SAILING LOG

Die letzten Tage war ich krank. Ganz plötzlich, als wir in der Nacht im Netz liegen und uns die Sterne anschauen, bildet sich eine Art Knoten in meinem Hals und ich kann nicht mehr schlucken. Luft holen ist kein Problem aber jedes mal Schlucken tut es höllisch weh. Für die Nacht nehme ich eine starke Schmerztablette und am nächsten Morgen führt der erste Weg zum Doktor. Das ist zum Glück nicht sehr weit. Nur ca. 80 Meter bis zu Pauls Boot. Er ist ein pensionierter Arzt und Heilpraktiker aus der Schweiz, der schon seit über einem Monat hier ankert und auf seine Getriebe Ersatzteile wartet. Alle Muskeln im Halsbereich sind völlig verspannt. Er verordnet mir vor allem Ruhe, Entspannungsübungen, Massagen und Windschutz für den Hals. Am Nachmittag fahre ich 3 Schiffe weiter zu Katrin aus Deutschland. Sie und ihr Mann ankern auch zufällig da, und da sie auch Ärztin ist, nutze ich die Gelegenheit eine zweite Expertise einzuholen. Wie nicht anders zu erwarten eine völlig andere Diagnose, aber immerhin ungefähr die gleiche Behandlung. Wenigstens in einem Punkt sind sich die 2 Ärzte einig. Am nächsten Tag nutze ich noch schnell die Gelegenheit und fahre bei Pam vorbei (leider nicht Pam Anderson). Sie ist Soloseglerin aus den USA und Zahnärztin. Wer weiß, vielleicht liegt die Ursache ja in den Zähnen. Nach einer gründlichen Untersuchung steht jedenfalls fest dass meine Zähne alle in Ordnung sind, das ist ja schon etwas.
3 Tage später kann ich fast schmerzfrei schlucken und probiere das erste mal wieder auf die Jagd zu gehen. Leider stellt sich sehr schnell heraus dass es mit der Harpune nicht so einfach geht. Sobald ich in die Tiefe tauche kommen beim Druckausgleich wieder Schmerzen und ich breche das Unternehmen ab. Mit der Harpune auf die Jagd zu gehen ist eine fast tägliche Beschäftigung, da Fisch inzwischen zu einem Hauptnahrungsmittel geworden ist. Mit der Angel das ist mir zu langweilig also bleibt nur die Harpune. Außerdem ist es ein sehr gutes Schwimm-, Tauch-, Muskel- und Lungentraining. Die Angel verwenden wir eigentlich nur während des Segelns. Da wird die Schleppangel rausgehängt und wenn man Glueck hat beißt einer und wenn man Pech hat dann reißt ein Fisch die Leine mitsamt dem doch relativ teurem Köder ab. Man kann natürlich ein Stahlvorfach benutzen damit die großen Fische, die den Köder oft als ganzes verschlucken, nicht die Leine durchbeißen können, oder man verwendet statt der üblichen Nylonschnur einen dünnen Stahldraht. Aber wenn dann der Köder bei einem groesseren Ast oder bei einer Koralle hängen bleibt und man mit 6 – 7 Knoten unterwegs ist, hilft alles nichts. Da rauscht die Angelleine so schnell raus, dass es einfach keine Rettung mehr gibt. Die meist einzige Ausnahme dass ich die normale Angel verwende ist in mondlosen Nächten. Da unser Cockpitlicht meistens ohnehin die ganze Nacht als Ankerlicht brennt werden kleine Fische angelockt. Diese wiederum ziehen automatisch die Aufmerksamkeit groesserer Raubfische auf sich. Nach 1 – 2 Stunden Licht in der Nacht sieht man es unter dem Boot von Fischen wimmeln und das Angeln macht Spaß. Innerhalb kürzester Zeit haben wir im Normalfall einige Fische und für den nächsten Tag ist somit unser Tisch gedeckt.
Die Beste Neuerung die wir seit 2 Monaten am Boot haben ist unser Wassermacher. Während des Sommers in New York habe ich mich intensiv mit der Konstruktion und dem Bau von Umkehr Osmose Anlagen beschäftigt. Vor dem Abflug zurück zum Boot, habe ich dann alle nötigen Einzelteile bei verschiedenen Firmen gekauft. Alle Teile sind weltweit überall erhältliche Industrieprodukte. Also massiv gebaut und halbwegs preisguenstig. Das war mir sehr wichtig, da bei den meisten fertig fabrizierten Wassermachern irgendwelche Spezialteile aus Kunststoff, oder Sonderanfertigungen dabei sind. Wenn dann ein Problem auftaucht, ist man von dieser Firma abhängig. Nach dem Einbau aller Teile gab es noch ein fast erwartetes Problem mit der Kombination Hochdruckpumpe und Elektromotor. Das konnte ich aber bald lösen und seit 2 Monaten können wir aus Meerwasser nun unser eigenes Trinkwasser produzieren. Je Stunde ca. 21 Liter mit einer Reinheit von 99,6 Prozent. Das ist sauberer als jedes Wasser das ihr in Österreich irgendwo aus den Leitungen oder aus einem Brunnen kriegt. Ein bisschen Stolz sind wir schon auf unsere selbstgebaute Trinkwasserversorgungsanlage. Wenn jemand detaillierte Informationen haben will bitte ein Email an chisailing@yahoo.com Ein paar Wochen Geduld bis zur Antwort werden schon notwendig sein.

Posted by chico @ 08:47 AM CST [Link] [No Comments]


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