CHI ::: SAILING LOG
27. Jaenner 2004
Wir sind in Trinidad. Nein, wir haben uns nicht versehentlich verfahren und sind nicht 500 seemeilen suedlich gelandet auf der gleichnamigen Karibikinsel vor dem venezolanischen Festland, sondern sind noch immer auf Cuba in der gleichnamigen Stadt Trinidad. Hier gibt es eine Charterbasis von Sunsail Yachting und der supernette Stuetzpunktleiter Joachim, laesst uns sogar seinen PC benutzen. So koennen wir endlich wieder einmal in Ruhe einen Eintrag machen. Wir liegen hier einer perfekt von allen Seiten geschuetzten Bucht, direkt an der schwimmenden mit Palmwedeln gedekten Bar. Der Mojito wird uns direkt aufs Schiff serviert und mir machen das erste Mal seit langer Zeit so etwas wie ein paar Tage Urlaub. Joachim, der meistens bei uns isst, denkt inzwischen darueber nach Sport zu betreiben weil ihm Elenas Kochkuenste das Baeuchlein anschwellen laesst.
Auf dem Weg entlang den Inseln der cubanischen Suedkueste kamen wir auch in Cayo Largo vorbei. Eine reine Touristikinsel mit ein paar Hotels, wunderbaren Straenden, aber sonst kaum Infrastruktur. Wenn irgendjemand der das liest in die Marina Cayo Largo kommt und dort den Himmel auf Erden haben will, dann bitte ein Video ueber "Sissi, Teil 3" in englischer oder noch besser spanischer Sprache mitnehmen. Der Marina Manager, Mr. Pidi, ist naehmlich der absolute Sissi Fan. Als wir zufaellig auf dieses Thema zu sprechen kamen und Elena ihm den 3.Teil erzaehlte war er voellig fertig. Von da an wurden wir von ihm behandelt wie die wichtigsten Leute auf der ganzen Insel.
Ein Kanadier gab uns vor kurzem GPS Koordinaten mit dem absoluten Lobsterplatz. Unter jedem Stein 2 - 3 Stueck. Natuerlich wurde das sofort unter Mithilfe einiger Oesterreicher die wir hier getroffen hatten ueberprueft. Mit deren Catamaran ging es durch die sehr, sehr flachen Riffe, entlang einer nur durch ein paar Holzstoecken gekennzeichneten Fahrrinne, die 6 Seemeilen bis zu diesem Platz. Dann hiess es nur noch die Viecher irgendwie zu fangen. Und wir hatten eine Menge Spass dabei.
Was uns immer wieder ein paar Probleme bereitet sind die oertlichen Versorgungsmoeglichkeiten. zb. Rosinen sind ein absolutes kapitalistisches Luxusgut. Andere Sachen wieder wie Mehl oder Zucker sind nur in grossen Dollar Stores zu bekommen und das auch nicht immer. In den Geschaeften wo die Einheimischen einkaufen, kriegen wir als Auslaender nichts. Die brauchen alle einen Gutschein, den Sie als Naturalbezahlung zusaetzlich zu Ihrem Lohn bekommen. Ausnahmen gibts nur bei Rum. So kommen wir inzwischen auich zu Rum um nur US$ 1,-- (in Worten ein amerikanischer Dollar) die Flasche. Flaschen muss man allerdings selber mitbringen.
Heute gehts wieder weiter durch die Riff und Inselwelt in Richtung Cabo Cruz und danach nach Santiago de Cuba, von wo wir Cuba verlassen werden.
Posted by chico @ 09:09 AM CST [Link] [No Comments]
Saturday, January 17, 2004
Die ersten tage sind gut ueberstanden. wir wissen inzwischen wo es was gibt bzw. nicht gibt, wir kennen die wichtigsten personen hier in der marina und warten auf die ankunft unserer familie. Heuer werden wir weihnachten und neujahr nicht alleine mitten auf hoher see feiern. Ein taxi fuer 6 personen ist organisiert und bringt uns zum flughafen. Der taxler ist nervoeser als wir und schiesst durch das flughafengebaeude wie ein wirbelwind.
Die naechsten tage verbringen wir in havannah mit sightseeing, bestaunen die ehemals wunderschoene altstadt, die alten amerikanischen autos und geniessen die anwesenheit der familie. Nach 4 tagen laufen wir aus mit kurs westen, ziel bahia honda. Bevor man den hafen verlassen darf muss man ausklarieren, das bedeutet die ganze behoerdentour noch mal, allerdings in vereinfachter form. Wenn man dann am angegeben zielort eintrifft, heisst es dort natuerlich wieder einklarieren. Als letzte weisung vor dem auslaufen werden wir angehalten wegen militaerischer uebungen einen sicherheitsabstand von mindestens 5 meilen zum land zu halten. Wir kommen im angegebenen gebiet ein wenig naeher zur kueste – so konnten wir mit dem gennaker noch einen schoenen kurs halten – und schon sehen wir ein altes kriegsschiff auf uns zubrausen. Eigentlich sehen wir hauptsaechlich eine enorme schwarze rauchwolke und manchmal das grau des kreuzers. Sicherheitshalber funken wir die jungs an und fragen vorsichtig was es denn gibt?? Keine antwort. Dafuer fahren sie ziemlich dicht an uns ran, setzen eine flagge die soviel bedeutet wie „sie begeben sich in gefahr" und fuchteln wie wild mit den haenden um uns weiter aufs offene meer zu lenken. Na ja, bevor wir richtig aerger bekommen bergen wir dann doch den gennaker und aendern den kurs soweit bis sich die boesen jungs wieder verziehen.
Durch die ausklarierungsprozedur sind wir 2 stunden spaeter als geplant ausgelaufen und erreichen erst bei voelliger dunkelheit die einfahrt zur bahia honda. Laut karten und handbuch ist alles gut befeuert, mit ausreichender tiefe in der fahrtrinne. Wir sollten die fahrtrinnenbeleuchtung laengst sehen, aber es ist ausser dunkel nur finster. Nichts, absolut nichts ist zu sehen. Langsam laufen wir unter motor und dauernder gps kontrolle naeher zum land. Der kuestenverlauf ist hier sehr tief und geht innerhalb weniger meter fast senkrecht zur oberflaeche. Unser echolot zeigt ab 100 meter tiefe an. Von der ersten erkennbaren anzeige bis zum wenden des bootes vergehen keine 2 sekunden. Der tiefenmesser zeigt mir 10,5 meter bis wir das boot richtung meer gedreht haben. Vielleicht noch 2 bis 3 sekunden und wir waeren auf das riff aufgelaufen. Ich entscheide dass wir das ziel aendern, gleich eine nachtfahrt machen und weihnachten auf einer kleinen insel verbringen werden, die wir beim morgengrauen erreichen sollten. Bei der ansteuerung an cayo levisa geht es wieder zwischen riffen und einzelnen korallenkoepfen bis zu einer alten bretterbude und einem verfallenen holzsteg, an dem uns der guarda beamte empfaengt. Die einklarierungsprozedur geht unerwartet schnell vor sich und wir duerfen endlich das karibische meer geniessen.
Als weihnachtsessen gibt es heuer statt nudelsuppe mit wuerstel, lobster. Direkt vom fischer, 13 stueck 10 dollar.
Nach dem runden der westspitze von cuba, cabo san antonio, aendern sich die segelbedingungen voellig. Die wellen und der wind kommen nicht mehr von hinten. Wir fahren jetzt kurs osten und die hauptwindrichtung um diese jahreszeit ist nordost bis ost. Also voll gegen wind und wellen. Und wie zum test fuer unsere crew legt der wind gleich noch ein schaeuflein nach. 25 bis 30 knoten, wellenhoehe gut 3 meter und genau gegen uns. Neptun holt sich seine ersten opferspeisen und wir haben noch einen halben tag segelei bis zur ersten geschuetzten bucht vor uns. Es ist immer wieder erstaunlich wie schnell sich eine marode crew erholen kann.
Nach kuerzester zeit sind alle wieder bester laune und geniessen das herrliche warme wasser und die praechtige unterwasserwelt.
Naechste bucht, die naechsten beamten an bord. Einklarieren, ausklarieren. Alle sind sehr freundlich und hilfsbereit. Ueberhaupt haben wir noch nirgends so freundliche und immer froehliche menschen getroffen wie in cuba. Sieht man von der altstadt havannahs ab, wo man wie in allen touristenzentren der welt geneppt wird, gibt es anscheinend auf ganz cuba nur nette, freundliche, hilfsbereite menschen.
Posted by chico @ 02:50 PM CST [Link] [2 comments]
Wednesday, January 14, 2004
Das einzig sichere an amerikanischen wettervorhersagen ist die tatsache, dass sie genauso falsch sind wie die in oesterreich. Wir waehlten die abfahrtszeit in key west so, dass wir auf alle faelle, egal wie schnell oder langsam die ueberfahrt sein wuerde, bei tageslicht in cuba ankommen. Die vorhersage der wetterfroesche lautete wind aus nordost, spaeter drehend nach ost, staerke 15 bis 20 knoten. Fuer uns gute bedingungen. Die windrichtung stimmte dann auch, nur die staerke, da hatten sie sich dann doch ganz schoen verhaut. Nicht 15 bis 20 knoten, sondern 15 plus 20 knoten, also meistens so um die 35 knoten wind wehten uns um die ohren. Und diese 35 knoten standen voll gegen den mit 2 bis 3 knoten nach nordosten setzenden golfstrom. Es half alles nichts. Wir waren mitten in der hexenkueche der strasse von florida und hatten nur eine moeglichkeit, immer weiter richtung cuba. Die wellen waren enorm, wobei nicht die hoehe extrem war, sondern das durcheinander aus windwellen und stroemungswellen. Irrsinnig steil und so kurz hintereinander, dazu aus verschiedenen richtungen, wie wir es nie zuvor erlebt hatten. An schlaf war die ganze nacht nicht zu denken. Die schlaege die das boot von den wellen abbekam waren wie kanonendonner. Aber auch die wildeste schaukelei hat einmal ein ende und 16 stunden spaeter liefen wir in die marina hemingway in der naehe von havanna ein.
Das einlaufen war wieder einmal ein erlebnis der besonderen art. Wie es sich gehoert meldeten wir uns 12 seemeilen vor der kueste ueber funk bei der cubanischen coast guard, keine antwort. Wir probieren havanna port control, keine antwort. Wir probieren die marina hemingway, keine antwort. Erst 4 meilen vor der marina, als ich bereits beginne nervoes zu werden, und mich frage ob wir so ueberhaupt einlaufen koennen ohne probleme zu bekommen, meldet sich havannah port control. kurz danach die marina hemingway und weist uns den genauen einfahrtsweg in den hafen, da einige der seezeichen die normalerweise wegen der korallenriffe aufgestellt sind, im moment gerade fehlen. Gleich am anfang steht das gebaeude der guarda. Man legt dort an und wird sehr, sehr freundlich begruesst. Danach kommt der hafenmeister, 3 zollbeamte, der gesundheitsbeamte, der beamte der einwanderungsbehoerde und noch 2 neugierige, von denen wir nicht wissen zu welcher behoerde wir sie zuordnen muessen, an bord. Es ist also einiges los bei uns. Nach 3 stunden, ca. 15 formulare auf spanisch, und einer oberflaechlichen durchsuchung des gesamten bootes ist der behoerden krimskrams erledigt und wir duerfen das schiff zu seinem liegeplatz bringen. Kaum haben wir dort festgemacht, kommt schon der naechste uniformtraeger und weist uns an noch ins zollbuero zu gehen. Nun fehlt nur noch der dockmaster – uebrigens der einzige der mehr oder weniger offen ein paar dollar fordert – der uns ueber die marina aufklaert und uns die spielregeln hier erklaert.
Wir konnten uns also endlich unseren ersten cuba libre einschenken und mit wiedergefundenen freunden aus norwegen, die wir in amerika im intracoastal waterway mehrmals getroffen hatten, anstossen. Sie waren bereits vor 3 tagen angekommen und konnten uns erste wertvolle tips geben.
Inzwischen ist das neue jahr ins land gezogen, weihnachten vorueber und wir wollen an dieser stelle nachtraeglich allen unseren freunden, fans, lesern, bekannten und verwandten froehliche weihnachten und ein gesundes und erfolgreiches neues jahr wuenschen.
Wir hatten, seit wir in cuba sind nur kurz in einem hotel fuer einige minuten die gelegenheit ins internet zu gehen und seitdem sind wir von der uebrigen welt isoliert. Bitte entschuldigt nicht beantwortete emails, anfragen usw. es ist zur zeit einfach nicht moeglich. Auch dieser eintrag geht nicht direkt ins internet, sondern wird auf cd gebrannt, fliegt nach new york und wird dort fuer euch lesbar gemacht.
Posted by chico @ 09:37 AM CST [Link] [No Comments]