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05/31/2005 Entry: "columbia"

Dienstag, 31. Mai 2005

Eine wunderschoene Zeit ist leider zu Ende gegangen. Die letzten Wochen hatte sich eine sehr harmonische Gruppe aus ca. 10 Booten gebildet. Fast jeden Tag war auf den Coco Banderas Inseln irgend etwas los. Meistens am Morgen Training. Entweder Stretching, Kick Boxen, einfache gymnastische Uebungen, Schwimmen oder aehnliche nuetzliche Sportarten. Die Gefahr beim Segeln ist relativ gross, dass man an einem gewissen Bewegungsmangel leidet und so war diese Abwechslung fuer alle sehr angenehm. Hauptsaechlich beteiligten sich allerdings die Maedels dabei. Am spaeteren Nachmittag, wenn die Sonne nicht mehr so hoch stand, gabs dann entweder Boccia Turniere, Beach Volleyball oder einfach nur bei einem sundowner gemuetlich am Strand zusammen sitzen. Alles wurde immer sehr locker und keinesfalls tierisch ernst genommen. Und so jeden 2 - 3 Tag gabs eine Grillerei am Strand. Jeder brachte seinen gefangenen Fisch, Hendl oder Fleisch oder was halt jeder irgendwo aufgetrieben hatte mit, und die Ladies der Boote kochten exquisite Beilagen. Die wurden dann wie auf einem grossen Buffet praesentiert und so hatten alle ein fantastisches Essen mit oft unbekannten Sachen.
Von Zeit zu Zeit wurde dann auch ein Stromgenerator an den Strand geschleppt. Zusammen mit einer Musikanlage und Beleuchtung war die wunderbarsten Partys unter Mondschein und Palmen im Handumdrehen gestartet. Dabei war es nie verpflichtend bei irgendwas dabei zu sein. Wer wollte kam, wer keine Lust hatte blieb zu Hause. Wir sprachen oft darueber dass wir wie in einer Schrebergartensiedlung leben. Mit dem Vorteil, wenn uns die Nachbarn auf den Keks gehen, dann heisst es fuer uns "Anker auf" und ab gehts ein paar Inseln weiter.
Bekanntlich dauert ja nichts ewig. Und so muessen natuerlich auch wir uns Gedanken ueber die Zukunft machen. Das heisst in erster Linie die kurzfristige Zukunft. Unser Unterwasserschiff benoetigt dringendst einen neuen Anstrich. Im Moment muessen wir schon fast jede Woche den kompletten Unterwasser Bewuchs entfernen. Ausserdem wollen wir ein paar kleinere Umbauarbeiten am Boot vornehmen. Es gibt auf der Karibikseite von Panama leider keine Moeglichkeit das Boot aus dem Wasser zu heben. Die naechst gelegenen Moeglichkeiten sind Cartagena in Columbien und Ceiba in Honduras. Nach Cartagena sind es nur 200 Seemeilen, allerdings genau gegen die vorherrschende Stroemung und den unentwegt wehenden Passatwind. Nach Ceiba sind es mehr als 700 Seemeilen, aber mit dem grossen Vorteil dass dazwischen mehrere Inseln liegen (San Andres, Providencia, usw...) und dass man zumindest mit Halbwind oder achterlichen Winden rechnen kann. Jeder der laengere Strecken gesegelt ist weiss wie hart es sein kann 200 Meilen gegenan zu bolzen. Hart nicht nur fuer die Besatzung, sondern auch fuer das Boot.
Wir haben uns trotzdem fuer Cartagena entschieden. Weil die Marinas wesentlich billiger sind, weil die Materialien und die Arbeitskraefte wesentlich billiger sind, und weil Cartagena nach allem was wir gehoert haben die schoenste Stadt in der gesamten Karibik sein soll. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen. Ausserdem sollen sie dort eine fantastische aerztliche Versorgung haben. Die Columbianer in Cartagena sollen fuehrend sein in plastischer Chirurgie (was ich von den Maedels bis jetzt gesehen habe kann ich da nur zustimmen) und in Augen Laser Operationen. Und das zu Preisen, zu denen ein europaeischer oder amerikanischer Arzt in der Frueh nicht mal aufsteht (Augenlaser ca. 250 us$). Wir wollen uns beide die Augen untersuchen und falls noetig und moeglich auch korrigieren lassen, ebenso sollen auch die Zaehne einem Check unterzogen werden.
Nun ist es nicht so einfach nach Cartagena zu kommen, wenn man es eilig hat. Wir haben uns selbst eine Zeitspanne von 2 Monaten eingeraeumt in denen das Wetter ok sein sollte. Im Mai beginnt die Regensaison. Das bedeutet der staendige Passatwind wird gestoert und bei Durchzug von Fronten bricht der Nordost bis Ostwind zusammen und dann kann man fuer 2-3 Tage auch Wind aus anderen Richtungen haben. Und genau darauf wollten wir warten. Vor ein paar Tagen war es dann so weit.
Am Nachmittag schlief der Wind ein und drehte auf West. Wir beschlossen, falls am naechsten Morgen der Wind noch gleich ist, dann machen wir uns auf den Weg nach Cartagena.
Um 0730 wurde der Anker aus seinem sandigen Grund gerissen und die Segel gesetzt. Der Westwind sollte uns bis zum naechsten Abend ganz bequem an unser Ziel bringen. 36 Stunden ist die Zeit die wir schaffen wollten. Dabei wuerden wir noch mit dem allerletzten Tageslicht einlaufen koennen. Doch nach einer Stunde schlief der Wind wieder ein. Wir trieben langsam durch das leicht bewegte Meer und wussten nicht recht was wir machen sollten. Alle Amerikaner die auch nach Cartagena fahren jubelten. Sie wollen nicht segeln, sondern moeglichst schnell mit dem Motor bei moeglichst Windstille an ihr Ziel kommen. Fuer uns stand das nie zur Debatte, schon aus dem einfachen Grund, da wir diese lange Strecke ohnehin nicht mit unseren Benzinvorraeten zuruecklegen koennen. Also kommt fuer uns nur segeln in Frage. Nach 6 Stunden waren wir nahe daran den Motor zu starten und zu den san Blas Inseln zurueck zu motoren. Wir hatten nur knappe 12 Seemeilen in diesen 6 Stunden zurueck gelegt. Doch dann blies es ploetzlich aus Suedsuedwest. Voellig entgegen jeder Wettervorhersage. Zuerst mit 10 Knoten, dann 15 Knoten und schliesslich pendelte sich der Wind bei knapp unter 20 Knoten ein. Ideale Bedingungen. Unser Kurs 75 Grad, Wind aus 160 Grad. Mit 7 bis 8 Knoten gings durch die Wellen. Man merkte foermlich wie sich das Boot freute endlich wieder mal ordentlich laufen zu duerfen. Als dann die Daemmerung einbrach, haben wir vorsichtshalber fuer die Nacht das 1. Reff eingebunden. Und wieder einmal stellte sich heraus, dass wir gleich schnell weiter fuhren, mit viel weniger Belastung auf dem ganzen Boot. Am Morgen legte der Wind dann noch ein wenig zu, wir binden das 2.Reff ein und bis Mittag geht die rauschende Fahrt weiter. Dann laesst der Wind urploetzlich stark nach. Wir machen uns allerdings keine Sorgen mehr es nicht bis zum Einbruch der Nacht zu schaffen. Falls es ganz aufhoert zu wehen, diese letzte Strecke koennen wir auch motoren. Doch wir koennen bis 100 meter vor unserem Ankerplatz segeln. Der letzte Abschnitt zwar langsam, aber um 1800 faellt der Anker und wir haben Cartagena trotz der anfaenglichen Flaute in insgesamt nur 34 Stunden erreicht.

Replies: 2 comments

but without picture

Posted by erwin @ 06/06/2005 10:19 AM CST

The best site

Posted by Sam 05.06.2005 22:46:24 @ 06/05/2005 12:46 PM CST

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