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08/01/2004 Entry: "Rio Chagres"

Sonntag, 1. August 2004

Von Segelfreunden haben wir erfahren, dass es in der Naehe von Colon einen Fluss gibt, den man mit dem Segelboot auf ueber 5 Meilen Laenge befahren kann. Das wollen wir uns unbedingt anschauen.
Wir machen uns auf den Weg und das, wovor wir gewarnt wurden trifft natuerlich prompt ein. Die Einfahrt in den Fluss wird immer wieder von Sandbaenken, die sich dauernd verschieben blockiert. Dies passiert, weil nach heftigen Regenfaellen, wenn der Gatun Lake zuviel Wasser hat, ein Damm geoeffnet wird und dann Millionen Kubikmeter von Wasser den Fluss raus rauschen. Dabei steigt der Wasserspiegel im Fluss um bis zu 3 Meter. Beim Zusammenprall von Fluss und Meer bilden sich Sandbaenke die sich immer wieder veraendern. Man sollte also nur bei ruhigem Wetter, ruhiger See und Sonnenschein zur Mittagszeit einlaufen, um alle Unterwasserhindernisse erkennen zu koennen. Bei uns war es bedeckt, 20 Knoten Wind, entsprechend Welle und Null Unterwassersicht. Wir haben zum Glueck ziemlich aktuelle GPS-Koordinaten. Aber auch hier stimmen die Tiefenangaben (mindestens 5 Meter wurden uns versprochen) nicht. Denn als die Tiefenangabe auf unserem Tiefenmesser nur mehr 1,2 Meter zeigt, werde ich nervoes. Wir bleiben trotzdem moeglichst genau auf Kurs und es geht alles gut. Die Tiefe nimmt wieder rapid zu.
Langsam gleiten wir in die uns unbekannte Dschungelwelt vor. Links und rechts gruene Waende aus wuchernden Pflanzen, Baeumen, Straeuchern. Der Wind laesst nach der ersten Flussbiegung nach, Stille kehrt ein. Nur mehr das gleichmaessige Surren unseres Motors ist zu hoeren. Dann sehen wir auch schon die ersten Voegel, einen riesigen Tucan, und viele uns unbekannte Arten. Wir ankern nach ca. 4 Seemeilen auf 10 Meter Wassertiefe in absoluter Stille. Soweit man beim Gebruell der Houler-Monkeys (Bruellaffen) von Stille reden kann. Wir denken an riesige Affen, doch wie wir ein paar Tage spaeter selber sehen sind diese Affen nur einen halben Meter gross, machen aber ein Geschrei als waeren sie 2 Meter.
Wir setzen uns ins Cockpit, mischen uns einen ordentlichen Sundowner, und lassen die neuen Eindruecke auf uns wirken. Es ist erstaunlich welche Artenvielfalt die Natur hervorzaubert. Vor ein paar Wochen waren wir in Panama City in einem Museum und haben uns ueber die Tiere des Dschungels ein wenig informiert. Und viele davon sehen oder hoeren wir jetzt live. Als am spaeteren Abend (so gegen halb neun) eine etwa 14cm grosse Flug-Cocoroach (Kuechenschabe) mit wunderschoener Zeichnung auf den Fluegeln, beiuns am Boot landet, machen wir dann das Licht aus um nicht noch mehr von den lieben Tierchen anzulocken.
Am naechsten Morgen beginnen wir die Nebenarme des Rio Chagres mit dem Dinghi zu erkunden. Langsam, fast behutsam, steuern wir unter dichtem Blattwerk in diese wunderbare Welt. Immer Ausschau haltend nach unbekannten versteckten Tieren, essbaren Pflanzen, Gemuese, Obst, was wir inzwischen halt so kennen. Den Grossteil der Strecke rudern wir um die Tiere nicht durch den Motor aufzuschrecken. Wir nehmen ein paar unbekannte (wie wir glauben Fruechte) mit, doch es ist leider nichts essbares dabei. Wir muessen noch viel lernen.
Wir wollen uns natuerlich auch den Damm anschauen, von wo immer wieder das Wasser des Gatun Lakes abgelassen wird. Als wir einen Steg am Ufer finden, machen wir das Dinghi fest und legen den Rest des Weges zu Fuss zurueck. Und was uns hier die Natur bietet ist unbeschreiblich. Wir kommen uns vor wie in einem Indiana Jones Film. Hier gab es auch bis vor einigen Jahren ein Ausbildungslager der amerikanischen Guerilla Kaempfer. Alle Freiwilligen die in den Dschungelkampf wollten (haha) mussten zuerst eine Grundausbildung hier in Panama am Rio Chagres durchlaufen. Abseits des begehbaren Weges sind noch vereinzelt Ruinen der Bunkerbauten zu sehen. Der Dschungel hat sich das meiste zurueck geholt. Heutzutage trainieren die Amis woanders. Schliesslich muessen sie jetzt den "Feind" in der Wueste niedermachen.
Als wir beim Damm ankommen, sehen wir rueber bis zur Gatun Schleuse, wo die grossen Schiffe dieser Erde die Abkuerzung durch den Panama Kanal nehmen. Wir beschliessen uns das anzuschauen und landen nach 5 Minuten in den Armen eines Sicherheitsbeamten, der uns vertreibt. Also gehen wir auf die Strasse und per Autostop gehts zur Schleuse. Am Rueckweg schuettet es wie aus Kuebeln. Wir halten einen vorbeifahrenden Bus auf der uns mitnimmt. Durchnaesst bis auf die Unterhose, mit der Machete bewaffnet steigen wir ein. Hier ist das normal, in Europa wuerde man damit sicher ein mittleres Problem bekommen. Wir sagen dem Fahrer wo wir raus wollen und ohne etwas bezahlen zu muessen, bringt uns der Bus zum angegebenen Spot. Alle maennlichen Businsassen haben ein Grinsen im Gesicht. Vielleicht war Elis T-Shirt doch etwas zu durchsichtig, naja was solls. Im stroemenden Regen geht es dann wieder zurueck durch den Urwald und zum Boot.
Ein neuer strahlend schoener Morgen. Der Urwald dampft, die Geraeusche werden uns allmaehlich vertraut. Ich will gerade ein Bad im Fluss nehmen, als ich kurz vor dem Reinspringen ein paar Meter hinter dem Boot ein Krokodil sehe. Ich brauche keine Erfrischung mehr, in Sekundenbruchteilen bin ich putzmunter. Das ca. 3 Meter lange Reptil schwimmt ums Boot und taucht dann weg. Wir haben von Krokodilen hier gehoert, aber haben die Geschichten nicht wirklich geglaubt. In Zukunft sind wir beim Schwimmen aeusserst vorsichtig, meist sind die Wasseraufenthalte auch sehr kurz. Einer von uns haelt immer Ausschau, ob nicht so ein liebes Tier des Weges kommt.

Nach 5 Tagen verlassen wir das Naturparadies und segeln zur Isola Linton.
Hier beginnen wir mit den Vorbereitungen fuer unseren naechsten Abschnitt. Darueber mehr in der naechsten Woche.